Guerilla Gardening – blumiger Protest gegen graue Betonwüsten

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit Stadtgärtner, Urban Gardening, Natürlich Gärtnern verschlagwortet am 1. Juni 2018 von Anja. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Bunt bepflanzte Baumscheiben, Nachbarschaftsgärten, Moosgraffiti – was fällt Dir zum Thema Guerilla Gardening ein? Also ich beobachte das ja schon länger und wollte mal zusammentragen, woher dieser Trend kommt und was Du darübe wissen musst.

Guerilla? Klingt irgendwie gefährlich...

Guerilla Gärtnerinnen kämpfen (span. guerilla = Kleinkrieg) gegen öde Innenstädte und langweilige Grünflächen. Ihre Waffen sind Schaufel und Samenbomben, Verkehrsinseln und Baumscheiben der Schauplatz der Schlacht. Sie begrünen öffentlichen Raum, stellen bepflanzte Badewannen auf, verwandeln Brachflächen in Gemüsegärten und erobern ein Stückchen Stadt zurück, um es nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Oft werden Guerilla Gardening und Urban Gardening in einen Topf geworfen. Zwar finden beide im städtischen Raum statt, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Guerilla-Gärtnerinnen fragen nicht um Erlaubnis, bevor sie Flächen und Grundstücke bepflanzen, die ihnen nicht gehören. Sie machen es einfach. Manche öffentlich, manche heimlich. Das klingt anarchistisch und das ist es auch. Guerilla Gardening ist ziviler Ungehorsam, ein Aufbegehren gegen triste Grünflächen, auf denen Müll und Hundehaufen dominieren.

In Deiner Nachbarschaft dominieren Beton, Brachflächen und langweiliger Rasen? Du hast keinen Garten, willst aber trotzdem nicht auf Blumen verzichten? Das ist die perfekte Kombi für Deinen Einstieg ins Guerilla Gardening!

 

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Wer hat damit angefangen?

Die ersten Guerilla Gardener waren in den 70ern in Manhattan unterwegs. Sie nannten sich Green Guerillas, stellten bepflanzte Blumenkästen auf die Fensterbänke verlassener Häuser und legten den ersten Gemeinschaftsgarten New Yorks an. Den Liz Christy Bowery Houston Garden gibt es noch heute. Sollte ich irgendwann dort sein, sehe ich mir den garantiert an.

Vor ein paar Jahren, nämlich 2009, erschien das Buch des britischen Guerilla Gardeners »Guerilla Gardening – Ein botanisches Manifest«. Es löste einen wahren Hype des anarchistischen Gärtnerns in Europa aus. Bestimmt hast Du davon schon in der Zeitung gelesen oder die blühenden Ergebnisse der Bemühungen anderer Gartenpiratinnen in Deiner Stadt entdeckt.

 

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Ist das erlaubt?

Ein zentraler Punkt in Artikeln und Büchern über das Guerilla-Gärtnern ist die Frage nach der Legalität. Darfst Du Flächen bewirtschaften, die jemand anderem gehören? Darf das Grünflächenamt Deine Pflanzen entfernen? Wem gehören die Früchte Deiner Pflanzen? Oder anders herum: Wie kannst Du zum Guerilla Gardener werden, ohne rechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen?

Hier ein Hinweis: Wir sind keine Juristinnen und können Dir nur die Infos liefern, die wir für Dich recherchiert haben. Für Deine Taten und deren Folgen bist Du selbst verantwortlich.

 

Also: Rein rechtlich gesehen gilt die Bepflanzung eines fremden Grundstücks ohne Erlaubnis der Eigentümerin als Sachbeschädigung und das ist eine Straftat (Quelle: Strafgesetzbuch § 303). Sobald Du ein Samenkorn in fremde Erde steckst, gehört es Dir nicht mehr. Streng genommen hast Du keinerlei Anspruch auf die daraus sprießende Pflanze und ihre Früchte. Sprich, wenn die Eigentümerin beschließt, den von Dir angelegten Garten zu entfernen, kannst Du nichts dagegen tun und musst möglicherweise Schadenersatz zahlen.

Das klingt ziemlich abschreckend. Tatsächlich konnten wir keinen einzigen Fall entdecken, bei dem jemand in Deutschland fürs Guerilla Gardening bestraft wurde. Wir sehen das so: Wenn Du triste Brachflächen in blühende Oasen verwandelst, verschönert das Deine Nachbarschaft und macht die Menschen in Deiner Umgebung froh. Solange Du nichts kaputt machst oder die liebevoll angelegten Gärten anderer Leute zerstörst, könnten die Behörden noch mal ein Auge zudrücken und Dich gewähren lassen.

Eigentlich finden Städte es gut, wenn ihre Bürgerinnen aktiv werden und ihre Nachbarschaft verschönern. Nicht immer steht genug Geld für die Pflege öffentlichen Grüns zur Verfügung, so dass eigenmächtige Pflanzungen toleriert werden. In vielen Städten dürfen Privatpersonen und Firmen Patenschaften für Baumscheiben oder andere öffentliche Grünflächen übernehmen und sie – bestimmten Richtlinien folgend – selbst gestalten. Eine gute Lösung für weniger rebellische Gärtnerinnen!

 

Beachte diese Regeln beim Guerilla Gardening

Du willst als Guerilla Gardener aktive werden? Damit Du keine Probleme mit der Polizei kriegst und Deine Blumen stehen bleiben, solltest Du einige Regeln und Ratschläge befolgen.

  • Baustellen und Naturschutzgebiete sind Tabu.
  • Pflanze keine illegalen Gewächse (Hanf!).
  • Respektiere das Eigentum anderer Leute und zerstöre keine Gärten. Wirf keine Samenbomben im Vorgarten der Nachbarin!
  • Versuche, mit dem Grünflächenamt zusammenzuarbeiten oder kommuniziere mit Grundstückseigentümerinnen
  • Tue Dich mit Gleichgesinnten zusammen.
  • Kümmere Dich um Deine Pflanzen, damit es nicht andere tun müssen. Blühende, dekorative Blumen werden eher toleriert, als verwahrloste Bepflanzungen.
  • Pflanze keine Rosen (die sind sowieso zu pflegebedürftig) oder andere wehrhafte Gewächse, an deren Dornen sich Kinder oder Hunde verletzen könnten.
  • Am Straßenrand oder auf Verkehrsinseln gepflanzte Blumen dürfen nicht höher als 70 Zentimeter werden, um den Autofahrerinnen nicht die Sicht zu versperren.
  • Setze Pflanzen nicht zu nah an den Stamm von Stadtbäumen und bring kein zusätzliches Substrat auf Baumscheiben auf.

 

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Welche Pflanzen eignen sich für Guerilla-Gärten?

Die Wahl der passenden Pflanzenarten kommt darauf an, welche Fläche Du erblühen lassen willst. Grundsätzlich sind urbane Standorte etwas tricky. Müll, begrenzter Platz, verdichteter Boden und Hundeurin sind nicht unbedingt die Dinge, die Pflanzen glücklich machen. Doch es gibt Pflanzen, die widerstandsfähig genug sind, um solch widrige Bedingungen auszuhalten. Verwende bevorzugt einheimische Pflanzen, die Nahrung für (Wild-)Bienen und anderen Insekten liefern. Pflanze auf keinen Fall Neophyten, die nicht in unser Ökosystem gehören. Viele von ihnen verwildern leicht und verdrängen in freier Wildbahn etablierte Arten. Das wären unter anderem Topinambur, Japanischer Staudenknöterich, Kirschlorbeer oder Schmetterlingsflieder – Pflanzen, die im kontrollierten Bereich des eigenen Gartens unproblematisch sind.

Ausdauernde Stauden sind an vielen Stellen eine gute Wahl, weil sie regelmäßig blühen und meistens recht genügsam sind. Gemeinsam mit ein paar Frühblühern und vorgezogenen einjährigen Sommerblumen gestaltest Du ein hübsches Beet. Orientiere Dich an von Profigärtnern gestalteten Rabatten und sieh Dir an, welche Pflanzen sie verwenden.

Noch ein Tipp zur Standortwahl: Pflanze Dein erstes Guerilla-Beet an einem Ort, den Du von Zuhause oder der Arbeit aus gut erreichst. Dann kannst Du Dich gut um Deine Blumen kümmern, ihr Wachstum verfolgen und bei Problemen schneller reagieren. Und vielleicht erlebst Du, wie die Menschen um Dich herum sich über Deine Aktion freuen – das wünschen wir Dir!

 

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Wähle sorgfältig aus, was Du wohin pflanzt

Für sonnige und trockene Plätze eignen sich robuste Pflanzen, wie Woll-Ziest, Blut-Storchschnabel, Weiße Fetthenne, Frauenmantel oder Katzenminze. Es gibt aber noch viele weitere Arten, die in der prallen Sonne gut wachsen. Funkien, Platterbse, Johanniskraut und Immergrün fühlen sich unter ausladenden Baumkronen, im Hinterhof und an anderen schattigen Standorten wohl.

Als trittfest erweisen sich Efeu (nicht unter Bäume pflanzen!), Sand-Thymian und Mauerpfeffer – sie verzeihen gelegentliche Rasenlatscher. Möchtest Du auffällige Akzente setzen? Das gelingt Dir mit Mais, Sonnenblumen, Lichtnelke oder Königskerze. Aber bitte beachte, dass diese Arten ziemlich groß werden können. Pflanze sie nur an Stellen, wo sie Autofahrenden (und anderen Verkehrsteilnehmenden) nicht den Blick versperren.

Wird Dein Blumenbeet als Hundeklo missbraucht? Das muss nicht sein. Es gibt Pflanzen, deren Geruch Hunde abstoßend finden. Dazu gehören die »Hundeschreck-Pflanze« (Plectranthus caninus), Balkan-Storchschnabel und Lavendel. Außerdem könntest Du ein Hinweisschild aufstellen, auf dem Du die Fläche als Blumenbeet kennzeichnest – besonders, wenn die Pflanzen noch klein und für ungeübte Betrachtende nicht als Blühstauden zu erkennen sind.

 

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Und was ist mit essbaren Pflanzen?

Guerilla Gardening beschränkt sich nicht auf Blumen. Du kannst auch Obst und Gemüse anbauen – nur vielleicht nicht unbedingt am Straßenrand. Ob in der Stadt gewachsene Pflanzen gesundheitsschädlich (etwa durch Schwermetalle aus Autoabgasen) sind, oder nicht, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine dänische Studie kam 2015 zu dem Ergebnis, dass das Gemüse selbst keine Gesundheitsrisiken birgt, wohl aber versehentlich verzehrte Erde, die noch daran klebt (Quelle). Darum solltest Du urban angebaute Pflanzen immer gut waschen, bevor Du sie isst. Eine Forscherin der TU Berlin fand heraus, dass in Berlin angebautes Gemüse eine höhere Belastung mit Blei und anderen Schwermetallen aufwies. Pflanzen, die in unmittelbarer Straßennähe wuchsen, waren besonders betroffen (Quelle).

 

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Wenn Du Areale gärtnerisch bewirtschaften möchtest, bei denen Du nicht weißt, ob der Boden mit Giftstoffen belastet sein könnte, bietet Dir bodenunabhängiges Gärtnern Sicherheit. Hochbeete, mit Substrat gefüllte Pflanztaschen, Eimer oder Getreidesäcke, ja selbst ausrangierte Kisten und Körbe können zum Pflanzgefäß umfunktioniert werden. Schau Dir nur die Prinzessinnengärten in Berlin an, die sind komplett mobil. Ziehe hochwertige Substrate unzertifizierten Erden aus dem Supermarkt vor.

Lege Gemüsebeete nicht direkt am Straßenrand an oder schütze sie mit Hecken. Obstgehölze lagern im Vergleich zu Gemüse weit weniger Schadstoffe ein. Du kannst ihre Früchte auch dann genießen, wenn sie am Straßenrand reifen.

Andererseits gibt es noch nicht viele Untersuchungen, die sich mit der Schadstoffbelastung von Stadtobst und -gemüse befassen. Die Unterschiede zwischen den Städten und angebauten Pflanzenarten sind einfach zu groß und das Thema Urban Gardening noch zu jung für lang angelegte Studien. Lass Dir also nicht den Spaß am Gärtnern verderben. Bewegung im Freien, soziale Kontakte mit anderen Gärtnerinnen und die Freude an der Natur sind gesund und machen Dich glücklich – so viel ist sicher.

 

Hat Guerilla Gardening einen Nutzen?

Ganz klar: Ja! Jede Pflanze bereichert das städtische Ökosystem und bietet vielen Lebewesen Nahrung und Schutz. Sehen wir uns noch einmal die Baumscheibe an. So ein Stadtbaum muss viel Stress aushalten: Trockenheit, verdichteter Boden, Streusalz und Müll. Wenn Du den sensiblen Bereich um den dagegen bepflanzt und pflegst, erhöhst Du die Vitalität des Baumes. Der Bewuchs schafft ein gutes Mikroklima und verbessert die Bodenqualität durch Auflockern und Humusbildung.

In einer grünen Stadt wohnen wir lieber als in einer, in der Beton dominiert. Denn Pflanzen verwandeln CO2 in Sauerstoff. Sie reinigen unsere Atemluft, filtern Feinstaub und Schwermetalle heraus und schaffen ein besseres Stadtklima.

 

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Guerilla Gardening hat eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente. Wer es sich nicht leisten kann, frisches Gemüse im Supermarkt zu kaufen, kann dieses in seiner Nachbarschaft einfach selber anbauen. Das klappt am besten, wenn man sich mit anderen Leuten zusammen tut, Arbeit, Kosten und Ernte teilt. Und in Nachbarschaftsgärten (egal ob legal oder nicht) wachsen neben Blumen und Tomaten, auch Freundschaften zwischen Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten.

 

Und los geht's

Mit dem Guerilla Gardening anzufangen, braucht ein bisschen Mut. Trau Dich und versteck Dich nicht! Du brauchst nicht nachts mit Blumen und Schippe um die Häuser zu schleichen, sondern sei mutig und pflege Deine Beete am helllichten Tag. Dabei ergeben sich schnell Gespräche und Du triffst bestimmt Leute, die mitmachen und helfen wollen.

Übrigens sind alle Fotos entstanden, als ich eine Runde um mein Haus gedreht habe. Halte einfach mal die Augen auf und Du wirst staunen, was in Deiner Nachbarschaft so alles los ist. Mach mit, mach Dein Viertel grüner und freu Dich, wenn Deine Blumen anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Viel Spaß!

Anja Engel

Anja leitet nicht nur den Grünbedarf E-Commerce, sondern lässt Dich in ihrem Blog teilhaben an ihrer großen Begeisterung für alles, was grünt – egal ob auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten. Freu Dich auf Tipps, Anregungen und Themen rund um die Pflanzenwelt.

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