Gartentipp 7 - Ein Hoch auf den Regenwurm

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Boden, Tipps, Tiere im Garten verschlagwortet am 13. Februar 2017 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Warum Regenwürmer so toll sind

Regenwürmer sind faszinierende Geschöpfe. Wusstest Du, dass sie das 60fache ihres Körpergewichts stemmen können (und damit zu den stärksten Tieren der Welt gehören), verschiedene Geschmacksrichtungen unterscheiden können oder dass der Naturforscher Charles Darwin ein Buch über sie schrieb?

Regenwurm ist nicht gleich Regenwurm. Weltweit sind über 3500 Arten bekannt, 50 davon kommen in Deutschland vor. Am häufigsten ist der Tauwurm (Lumbricus terrestris). Er wird bis zu 30 cm lang und lebt in Wiesen, Gärten und Äckern. Da der Tauwurm zur Nahrungssuche häufig an die Oberfläche kommt, schützt ihn seine braunrote Färbung vor Sonnenbrand. Andere Regenwurmarten verbringen fast ihr ganzes Leben im Untergrund und zeigen sich selten.

Beeindruckendes Tunnelnetzwerk unter Deinen Füßen

Ohne die unermüdliche Tätigkeit der Regenwürmer wäre Dein Garten ziemlich öde. Denn Regenwürmer sind für einen gesunden und fruchtbaren Boden unverzichtbar. Unter einem Quadratmeter Dauerwiese verbergen sich tausende Regenwurmtunnel, die den Boden belüften und besser auflockern, als jeder Pflug. Große Wurmarten, wie der erwähnte Tauwurm, legen stabile Wohnröhren an. Stell Dir vor - die können bis zu drei Meter senkrecht in die Tiefe gehen. Bei starkem Regen fließt das Wasser über diese Gänge ab. So schützt der Tauwurm seinen Lebensraum vor Erosion. Damit ihre Gänge nicht einstürzen, stabilisieren Regenwürmer die Wände mit einer Mischung aus Schleim und Kot. Das klingt zwar eklig, doch auf dieser "Tapete" leben Mikroorganismen, die ihrerseits den Boden gesund halten.

Wer so viel gräbt, hat Hunger. Regenwürmer verputzen täglich etwa die Hälfte ihres Körpergewichts an Nahrung. Am liebsten mögen sie abgestorbene Pflanzenteile, Ernterückstände und heruntergefallenes Laub. Da sie nicht kauen können, verspeisen sie nur von Mikroorganismen vorverdaute Nahrung. Manche Regenwürmer überlassen nichts dem Zufall: Sie zerren Pflanzenreste in ihre Wohnröhren und kompostieren sie dort, bis sie genießbar sind. Ganz schön clever!

Doch am wichtigsten ist das, was aus dem Regenwurm hinten raus kommt. Bestimmt hast Du schon mal auf Deinem Rasen die kleinen erdfarbenen Häufchen gesehen – das ist Regenwurmkot und besseren Dünger findest Du nirgendwo. Denn die Wurmwürste enthalten pflanzenverfügbare Nährstoffe in hoher Konzentration, sie sind natürlich, pH-neutral und gratis. In einem Jahr verwandeln Regenwürmer "Abfälle" in 40 bis 100 Tonnen nährstoffreiche Humuserde pro Hektar!

Verwandle Deinen Garten in ein Regenwurm-Paradies!

In einem gesunden Boden tummeln sich Pi mal Daumen 120 bis 140 Regenwürmer pro Quadratmeter. Möchtest Du herausfinden, wie viele bei Dir wohnen, dann grabe ein quadratisches Loch mit 30 cm Kantenlänge. Gib den Aushub in einen Eimer und fang an, darin nach Würmern zu suchen. Findest Du zehn oder mehr Regenwürmer, ist alles gut. Du hast weniger gezählt? Dann lerne jetzt, wie Du die nützlichen Untermieter gezielt anlockst.

  • Teste den pH-Wert Deines Bodens! Regenwürmer fühlen sich in neutraler Umgebung am wohlsten. Ist der Boden zu sauer (pH unter 5,5), ziehen sie um. Du kannst dann den Boden kalken, um den pH-Wert anzuheben.
  • Verzichte aufs Umgraben, sondern lockere den Boden mit Grabegabel oder Sauzahn auf. Regenwürmer sind im März/April und September/Oktober besonders aktiv. Lass den Boden während dieser Zeiten in Ruhe.
  • Regenwürmer lieben Böden, die reich an organischer Substanz sind. Verwende organischen Dünger (flach einarbeiten) und decke den Boden mit Kompost oder einer Mulchschicht. Das finden alle Bodenlebewesen lecker!
  • Lege einen Kompost an oder baue einen Wurmkasten (wie das geht, verraten wir Dir demnächst!)

Regenwürmer kaufen und aussetzen ist keine Option

Wenn in Deinem Garten kaum Regenwürmer leben, wirst Du die gekauften schlecht zum Bleiben überreden können. Mal abgesehen davon, dass die erhältlichen Arten vielleicht gar nicht in unseren Breiten heimisch sind und dann Dein Bodenleben durcheinander bringen. Optimiere lieber die Bedingungen, dann kommen die Regenwürmer von ganz allein zu Dir.

4 Kommentare zu „Gartentipp 7 - Ein Hoch auf den Regenwurm“

  • Bettina

    Vielen Dank für die tollen Infos und eine großartige Idee für den Schulgartenunterricht! Da können die Kids herrlich im Matsch graben und erleben Natur mit dem gewissen Plus.

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  • Enrico

    Zwei spannende Regenwurm-Sideinfos habe ich noch zur Ergänzung, zu den ganzen, bereits im Artikel genannten, interessanten Informationen:
    1.) Man glaubt es kaum, aber Regenwürmer können bis zu 8 Jahren alt werden.
    2.) Regenwürmer sind Zwitter., die durch gegenseitiges Zusammenpressen der im oberen Drittel des Wurmkörpers befindlichen Gürtel-Verdickungen beiderseitig Samen austauschen. Abhängig von Regenwurmart und Temperaturbedingungen schlüpfen die Jungwürmer nach 15 bis 120 Tagen und zwar bis zu 150 an der Zahl.
    VG Enrico

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