Gartentipp 43 - Pulverkraft im Garten

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Schädlinge, Natürlich Gärtnern verschlagwortet am 1. Februar 2019 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag

Was Algenkalk, Diatomeenerde & Urgesteinsmehl können

Auf der Suche nach einem wirkungsvollen Mittel gegen den gefürchteten Buchsbaumzünsler und seine gefräßigen Larven bestäubten zwei Hobbygärtner ihre Buchsbäume mit Algenkalk. Und siehe da, ihre Experimentierfreude zahlte sich aus. Zwar ließen die Buchsbaumzünsler die behandelten Pflanzen nicht komplett in Ruhe. Doch fiel der Befall geringer als gewöhnlich aus. Die abgenagten Büsche erholten sich, sehr zur Freude ihrer Besitzer.

Was ist da dran? Wirkt Algenkalk wirklich Wunder? Und gibt es andere Pulver, die Deinen Pflanzen Gutes tun? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns in diesem Gartentipp.

Algenkalk – hält das Wundermittel sein Versprechen?

Wer hatte die Idee?

Seit dem Sommer 2018 berichten immer mehr Nachrichtenmagazine und Gartenblogs über den Algenkalk und seine abschreckende Wirkung auf den Buchsbaumzünsler. Sie alle beruhen auf den Beobachtungen eingangs erwähnter Gärtner, den Herren Bender und Lucenz. Zwei Jahre in Folge zerstäubten sie Algenkalk über ihren mit Buchsbaumzünsler und dem Cylindrocladium-Triebsterben befallenen Hecken. Mit scheinbarem Erfolg: Der Pilzbefall ging zurück. Die Raupen des Buchsbaumzünslers mieden die staubigen Blätter und die beinah kahlen Pflanzen trieben erneut aus. Ein tolles Resultat, dass den Gärtnern Einladungen zu Talkshows und den Titel „Buchsbaumretter“ einbrachte.

 

buchsbaumzuensler raupe

 

Inhaltsstoffe

Algenkalk besteht aus den zermahlenen Ablagerungen abgestorbener Rotalgen. Er enthält Magnesiumcarbonat, Calciumcarbonat, Kieselsäure und jede Menge pflanzenwichtige Spurenelemente.

Wo der Algenkalk herkommt

Rot- oder Kalkalgen sind Bestandteil eines wichtigen Ökosystems, den sogenannten Maerl-Bänken. Werden die Ablagerungen unter noch lebenden Bänken mit einer Art Staubsauger abgesaugt, geht dieses Ökosystem unwiederbringlich verloren. Kalkalgen wachsen zu langsam, als dass sie die durch Absaugen angerichteten Schäden ausgleichen könnten. In der EU ist diese Art der Algenkalkgewinnung seit 2012 verboten. Doch steht die Herkunft immer auf dem Kalksack drauf?

Ökologisch unbedenklicher ist der bergmännisch gewonnene fossile Algenkalk oder die Nutzung bereits abgestorbener Maerl-Bänke. Im Hinblick auf die Schäden, die wir Menschen den Meeren antun, sollten wir beim Algenkalkkauf darauf achten, woher das Produkt kommt.

In unserem Shop findest Du den Algenkalk von COMPO. Der stammt zu 100 % von abgestorbenen Algenbänken. Wir haben extra für Dich nachgefragt.

 

Funktioniert das?

2016 und 2017 traten der Buchsbaumzünsler und das Buchsbaum-Triebsterben seltener in Erscheinung, als in den Jahren zuvor. Das ist genau der Zeitraum, in dem die beiden Gärtner mit Algenkalk experimentierten. Findet der Zünsler den Kalkstaub eklig? Stoppt Calciumcarbonat das Pilzwachstum? War alles nur Zufall? Oder der Buchsbaum durch den Algenkalk so gestärkt, dass er sich seiner Widersacher selbst entledigen konnte? Wir wissen es nicht. Hoffentlich wird die Pflanzenforschung unsere Fragen bald beantworten.

Fest steht: Algenkalk ist kein Wundermittel und seine Wirkung ungewiss. Ausprobieren kannst Du ihn allemal.

 

Algenkalk ausbringen – so machst Du’s richtig

Natürlich kannst Du einfach in den Algenkalkbeutel greifen oder die Streudose über dem Buchsbaum schütteln, als wolltest Du eine Waffel mit Puderzucker bestäuben. Bei einzelnen Pflanzen mag das funktionieren. Willst Du allerdings eine viele Meter lange Buchsbaumhecke behandeln, wird Dir schnell die Hand lahm.

Nützliches Werkzeug

Leichter fällt Dir die Arbeit mit einem Zerstäuber. Das braucht kein großes Ding zu sein. Der Handzerstäuber Bobby 0.5 von Birchmeier ist praktisch und nimmt kaum Platz weg. Uns gefällt besonders gut, dass das kleine Werkzeug mechanisch funktioniert. Du füllst Algenkalk oder ein anderes Pulver hinein (geht super, dank der großen Einfüllöffnung) und legst sofort los. Kein „Oh nein! Ich hab vergessen, die Batterien aufzuladen” mehr. Der große, bequem bedienbare Blasebalg verwirbelt das Produkt zu einer feinen Wolke. Weil der Bobby eine sehr dünne Pulverschicht erzeugt, sparst Du Algenkalk und Geld.

Das kann der Handzerstäuber Bobby 0.5 von Birchmeier

  • Großer, leicht bedienbarer Blasebalg
  • verwirbelt das Produkt zu feiner Wolke
  • zerstäubtes Pulver erreicht kleinste Ritzen und versteckte Blätter
  • fünf austauschbare Düsen für präzises Stäuben in jeder Umgebung
  • standfester, transparenter Behälter mit 0,5 Liter Volumen
  • sofort einsatzbereit

 

Buchsbäume mit Algenkalk behandeln

Um die natürlichen Abwehrkräfte Deiner Buchsbäume zu stärken und herauszufinden, ob das Zeug wirklich den Zünsler fernhält, bestäubst Du die Pflanzen mit feinem Algenkalkpulver (kein Granulat!). Entweder vorbeugend im Frühling, wenn die ersten Symptome des Triebsterbens erscheinen. Oder, sobald Dir das erste Buchsbaumzünslermännchen in die Falle geht. Je nachdem, welcher Schädling Deinen Buchsbäumen mehr zusetzt. Wiederhole die Anwendung nach einigen Wochen. Aber nicht zu oft, sonst wird Dein Boden alkalisch. Und damit der Kalk da landet, wo er hinsoll, wählst Du einen trockenen und windstillen Tag für die Aktion. Manche Gärtner*innen empfehlen, den Buchsbaum vor dem Bestäuben zu schneiden, damit das Pulver bis ins Innere der Pflanze dringt.

 

Birchmeier Bobby Pulverzerstäuber

 

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Algenkalk ist in erster Linie ein Dünger und Pflanzenstärkungsmittel. Damit bestäubst Du neben Buxus viele andere Pflanzen. Etwa, um deren Toleranz gegen Krankheiten und Schädlinge zu stärken. Algenkalk enthält mehr Spurenelemente als andere Kalkdünger und verbessert den Geschmack von Früchten und Gemüse. Im Kompost beschleunigt er die Aktivität der Mikroorganismen und dadurch den Rotteprozess. Algenkalk ist ein reines Naturprodukt und vor allem für all jene unter uns interessant, die ihre Gärten biologisch bewirtschaften.

 

Nachteile

Algenkalk ist kein Allheilmittel und nicht unproblematisch. Streust Du ihn zu dick auf die Blätter des Buchsbaums und anderer Pflanzen, schränkst Du ihre Fotosynthese ein. Calciumcarbonat egal welcher Herkunft hebt den pH-Wert des Bodens an. Ist der Boden alkalisch (ab pH 7,5), liegen Phosphor und wichtige Spurenelemente in für die Pflanze nicht nutzbaren chemischen Verbindungen vor.

 

bobby pulverzerstaeuber

 

Zum Ausbringen des Algenkalks hast Du Dir den Bobby 0.5 gekauft. Was kannst Du damit noch alles ausbringen?

Die meisten Pflanzenschutzmittel sind flüssig. Stimmt. Aber es gibt Ausnahmen. Und die sind besonders für alle Bio-Gärtner*innen interessant. Wir sprechen von Diatomeenerde und Urgesteinsmehl.

 

Diatomeenerde

Diatomeenerde heißt auch Kieselgur und ist ein aus den Schalen fossiler Kieselalgen (Diatomeen) entstandenes Sedimentgestein. Die sind winzig klein. Ein Milliliter reine Diatomeenerde enthält rund eine Milliarde ganze und zerbrochene Kieselalgenschalen. Sieh Dir Mikroskopbilder von Diatomeenschalen an, die sind nämlich wunderschön.

 

Inhaltsstoffe

Kieselgur besteht zum größten Teil aus Siliciumdioxid. Es handelt sich nicht um kristallines, sondern amorphes Siliciumdioxid. Das heißt, die Atome bilden unregelmäßige Muster, keine klaren Kristallstrukturen. Erst starkes Erhitzen (etwa während der Aufbereitung der Kieselgur) bewegt die Atome dazu, sich im Kristallgitter anzuordnen.

 

Eigenschaften

Die winzig kleinen Exoskelette der Diatomeen sind außerordentlich porös. Sie saugen Fette und Flüssigkeiten auf, wie ein Schwamm. Diatomeenerde hat hervorragende Filtereigenschaften und ist reaktionsträge. Und ihre scharfen Kanten machen Kieselgur zu einem natürlichen Biozid, das von Hühnerhalter*innen und Gärtner*innen geschätzt wird.

 

So wirkt Diatomeenerde gegen Milben und Insekten

Im Prinzip ist es ganz einfach: Sobald die Kieselgur eine Milbe oder ein Insekt berührt, absorbiert sie dessen schützende Wachsschicht. Die Tiere verlieren Wasser und trocknen aus. Die winzigen Partikel blockieren die Gelenke der kleinen Krabbler. Im Gegensatz zu chemischen Wirkstoffen ist Resistenzbildung bei Kieselgur kein Thema.

 

Kieselgur in der Tierhaltung

Im Hühnerstall bekämpfst Du mit Kieselgur die Rote Vogelmilbe, Flöhe, Fliegen und andere Parasiten. Bringe Sie vorbeugend aus, damit Dein Federvieh gar nicht erst befallen wird. Beim Einpudern des Stalls bewährt sich der Bobby 0.5 erneut. Er pustet das Pulver in die kleinsten Ritzen. Da kommt keine Milbe ungeschoren davon. Der feine Kieselgurstaub tut den Hühnern nichts. Einmal abgesetzt wirbelt die Diatomeenerde nicht wieder auf. Und Hühner und anderes Geflügel leben ohnehin nicht lang genug, als dass Langzeitschäden zum Tragen kämen.

Kieselgur im Garten

Die natürliche Wirkung der Diatomeenerde erweist sich im Garten genauso nützlich, wie im Hühnerstall. Etwa, um Blattläuse, Thripse, Dickmaulrüssler und andere Blattkäfer oder Spinnmilben loszuwerden. Das weiße Pulver ist (beim Verzehren) ungiftig. Darum eignet es sich gut zu Behandlung von Kräutern, Obst und Gemüsepflanzen. Manche Quellen behaupten, Kieselgur könne dem Buchsbaumzünsler zu Leibe rücken. Ob das stimmt? Probier’s doch mal aus. Zur Schneckenabwehr kannst Du ebenfalls Kieselgur verwenden. Streue das Pulver bannkreisartig um die gefährdeten Pflanzen. Der Nachteil: Regen spült es weg. Und im Vorratslager hält Kieselgur Lagerschädlinge von den Früchten Deiner harten Arbeit ab.

 

Weitere Anwendungsgebiete

Diatomeenerde wirkt gegen Ameisen, Asseln, Kakerlaken und Bettwanzen. In Deiner Küche schwirren lästige Dörrobstmotten herum und ihre Larven verspeisen Dein Lieblingsmüsli? Kieselgur hilft. Mit dem Zerstäuber behandelst Du vor allem Textilien. Das Katzenkörbchen, die Lieblingsdecke Deines Hundes, den Teppich. Mach das draußen. Und vergiss nicht, das staubige Teil zu waschen, bevor Du es wieder ins Haus holst. Falls Du einen starken Befall mit Kieselgur allein nicht in den Griff kriegst, setzt Du begleitend chemische Biozide ein.

 

 

Urgesteinsmehl

Als (Ur-)Gesteinsmehl bezeichnen wir zermahlenes Gestein, das als Bodenhilfsstoff eingesetzt wird. Die Ausgangsmaterialien sind unterschiedlich. Meistens sind es Basalt oder Diabas. Es steckt voller Silikate und Spurenelemente (vor allem Eisen, Magnesium und Kalium). Wie viel tatsächlich drin ist, hängt vom vermahlenen Gestein ab.

 

Wirkung im Boden

Gesteinsmehl reichert den Boden mit Spurenelementen an und füttert das Bodenleben. Die feinen Gesteinspartikel müssen erst noch verwittern, bevor die Pflanzenwurzeln sie aufnehmen können. Darum tritt die Wirkung leicht verzögert ein. Es verbessert das Wasserhaltevermögen des Bodens und fördert die begehrte Krümelstruktur. Im Kompost regt es die Mikroorganismen zu höherer Aktivität an. Außerdem bindet Urgesteinsmehl üble Gerüche und macht die Ausbringung der selbst angesetzten Brennnesseljauche erträglicher.

 

Indirekter Pflanzenschutz

Gesteinsmehle enthalten Silikate. Die verwittern im Boden und setzen Kieselsäure frei. Über die Wurzeln gelangt die Kieselsäure in die Pflanze und verstärkt die Zellen. Echtem Mehltau und anderen pathogenen Pilzen fällt es dadurch schwerer, die Zellwand zu durchdringen. Und gut mit Spurenelementen versorgte Pflanzen sind gesund. Sie können sich gut allein gegen angreifende Insekten, Milben und Pilze wehren.

Wir empfehlen Dir, das Gesteinsmehl direkt in den Boden einzuarbeiten. Ja, manche Gärtner*innen bestäuben ihre Pflanzen damit. Doch das nützt nicht viel. Schließlich müssen die Partikel erst verwittern, um Kieselsäure und Spurenelemente freizusetzen. Ob die Staubschicht auf den Blättern ähnlich der Kieselgur wirkt, ist bisher nicht wissenschaftlich belegt. Eigentlich schränken sie nur Fotosynthese und Gasaustausch ein. Ohnehin geschwächten Pflanzen tust Du damit keinen Gefallen.

 

Arbeitsschutz beim Zerstäuben

Von Feinstaub ist die Rede, wenn es um Straßenverkehr und Dieselfahrzeuge geht. Doch Algenkalk, Diatomeenerde, Urgesteinsmehl und andere pulverförmige Hilfsstoffe enthalten ebenfalls winzig kleine Partikel. Stäube, die kleiner als zehn Mikrometer sind, gelangen bis in die Lungenbläschen und können die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System krank machen. Schütze Dich immer mit einer geeigneten Maske, die solche feinen Partikel herausfiltert. Trage außerdem eine Schutzbrille, der feine Staub reizt die Augen.

Stäubst Du mit Diatomeemerde, dann achte besonders auf Arbeitsschutz. Die besteht nämlich aus amorphem Siliciumdioxid. Das ist zwar essbar (wenn Deine Diatomeenerde Lebensmittelqualität hat). Atmest Du es jedoch ein, sind die Folgen noch unbekannt. Wir wissen, dass kristallines Siliciumdioxid die Lunge dauerhaft schädigt. Und Deine Diatomeenerde enthält möglicherweise kleine Mengen davon. Setze darum auf jeden Fall Atemmaske und Schutzbrille auf, bevor Du Hühnerstall und Gemüsebeete einstäubst.

 

 

Mit einem Zerstäuber kannst Du in Haus, Garten und Stall allerhand anstellen. Algenkalk und Diatomeenerde haben übrigens noch einen Vorteil: Sie haben keine Zulassungsbeschränkung. Sie kommen dort ins Spiel, wo es keine wirksamen Pflanzenschutzmittel gibt oder jedenfalls keine, die für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen sind.

 

Und? Hat der Algenkalk bei Dir gewirkt?

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...