Gartentipp 42 - Sträucher schneiden im Winter

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Blütensträucher, Winter verschlagwortet am 14. Januar 2019 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Beim winterlichen Spaziergang durch Wohnanlagen und Kleingärten begegnet er Dir bestimmt: der Bubikopfschnitt. Alle Sträucher, egal welcherArt, werden rücksichtslos und alle Jahre wieder auf die gleiche Länge gestutzt oder zu Halbkugeln verarbeitet. Das Ergebnis sind Gehölze, die an den Schnittstellen dichter und dichter werden. Unansehnliche Knubbel entstehen. Weil innen kein Licht mehr ankommt, bleiben die Äste kahl. Die Pflanze bildet keine neuen Triebe mehr und vergreist. Und Sträucher wie die Forsythie, deren Blütenknospen aus dem mehrjährigen Holz treiben, blühen nach einer derart respektlosen Behandlung gar nicht mehr. Glückliche Büsche sehen anders aus.

Wer seine Gehölze nach Bubikopfart schneidet, ignoriert ihre Bedürfnisse und produziert unansehnliches Strauchwerk ohne jeglichen Charakter. Vom Zierwert ganz zu schweigen. Wir zeigen Dir, wie Du Deine Gehölze richtigschneidest. Und wusstest Du schon, dass es Arten gibt, die sich ohne Schnitt viel besser entwickeln? Welche das sind, verraten wir Dir weiter unten im Text.

falsch geschnittener Strauch

 

Wann Du Gehölze schneiden darfst

Den richtigen Schnitttermin wählst Du abhängig von der Blütezeit Deiner Gehölze. Die meisten der im Sommer blühenden Sträucher stutzen wir im Januar oder Februar (also vor dem Austrieb). Dann blühen sie besonders üppig. Büsche, die schon im Frühling blühen, schneidest Du entweder gleich nach der Blüte oder ebenfalls im Winter. Letztere Variante hat den Vorteil, dass Du alle Schnittmaßnahmen in einem Rutsch erledigst. Allerdings büßen die Frühlingsblüher mit den fehlenden Zweigen etwas ihrer Schönheit ein.

Selbstverständlich wartest Du einen frostfreien, trockenen Tag ab, bevor Du die Astschere schwingst. Das Thermometer sollte nicht unter fünf Grad anzeigen und starker Wind ist ebenfalls kontraproduktiv. Die unbelaubten Äste erleichtern es Dir, die Form der Gehölze besser zu erkennen. Die Pflanze verliert ohne Blätter weniger Substanz. Allerdings heilen die Wundenschlechter ab, weil der Stoffwechsel ruht. Und noch ein Grund spricht für den Winterschnitt: die Vögel, die im Frühling in Bäumen und Sträuchern nisten und ihre Jungen aufziehen. Um sie in dieser sensiblen Lebensphase nicht zu stören, führst Du starke Rückschnitt ins Altholz oder das Zurücksetzen auf den Stock nur zwischen dem 1. Oktober und 28. (oder 29.) Februar durch. Pflegeschnitte sind rund ums Jahr erlaubt.

Gesetzlicher Rahmen (Bundesnaturschutzgesetz Paragraph 39 (5) 2.)

Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zubeseitigen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.

Wir sprechen hier vom Erhaltungsschnitt. Dessen Ziel ist es, den typischen Charakter des Strauchs und seine Gesundheit zu wahren. Kriegen alle Zweige genug Licht, wachsen und blühen sie kräftig. Und zirkuliert die Luft ungehindert im Inneren des Gebüschs, trocknen die Blätter nach einem Regenschauer schneller ab. Pathogene Pilze haben so keine Chance. Einigen Sträuchern verleiht ein winterlicher Verjüngungsschnitt neue Kraft und schafft Platz für frische Triebe.

Diese Werkzeuge brauchst Du für den winterlichen Strauchschnitt

Eine Gartenschere

Am besten eine mit scharfer Bypassklinge, zum Beispiel die Felco 2. Sie ist ein echtes Allroundmodell, das auch bei allen möglichen anderen Schnittarbeiten eine gute Figur macht. Oder Du nimmst die Felco8, mit deren schmaler Klinge Du gut in dichten Gebüschen arbeiten kannst und mitder Du mühelos bis zu zweieinhalb Zentimeter starke Äste durchtrennst. Eine Gartenschere fürLinkshänder haben wir natürlich auch.

Eine auf Zug arbeitende Astsäge

Eine schmale, scharfe Klinge ermöglicht Dir präzises Schneiden im Strauchwerk. Das Modell 611 von Felco empfehlen wir für dicke Äste – perfekt, wenn Du neben Sträuchern auch Bäume pflegst. Die Astsäge 621 (auch von Felco) hat eine etwas kleinere Klinge und eignet sich daher besser, um gezielt einzelne Hölzer aus dicht wachsendem Gesträuch herauszunehmen. Superscharf sind sie beide. Und darauf kommt es beim Strauchschnitt an!

Nur-ab-und-zu-Werkzeuge und Zubehör

Du brauchst nur ab und zu eine Astsäge? Mit der Klappsäge Felco 600 pflegst Du einzelne Sträucher und zerteilst das Schnittgut anschließend in kompostgerechte Stücke. Perfekt!

Arbeitest Du den ganzen Tag im Garten und wechselt immer mal zwischen Schere und Säge hin und her? Die Astsäge hängt in der praktischen Gürtelschlaufe, klar, aber wohin mit der Schere? Verstau sie einfach in der passenden Ledertasche, während Du sägst.

LacBalsam schützt das Kambium im Winter vorm Erfrieren. Bestreiche nur den Rand der Wunde damit! Schneidest Du während der Wachstumsperiode, ist kein Wundverschlussmittel notwendig.

Das Schnittgut sammelst Du auf der Gartenplane. Die hat Griffe an jederEcke und wird dadurch ruckzuck zum Abfallsack. Und gerade jetzt im Winter sind warme Gartenhandschuhe unverzichtbar.

Schnittanleitung für die beliebtesten sommerblühenden Sträucher

Weil wir unmöglich alle Gehölze und ihre Besonderheiten in diesem Artikel abdecken können (es gibt ja so viele!), beschränken wir uns auf die beliebtesten der sommerblühenden Sträucher. Die Vorgehensweise ähnelt sich oft. Wachsen in Deinem Garten seltene oder wertvolle Pflanzen, erkundige Dich in einer Baumschule nach dem korrekten Schnitt. Oder schreib uns doch eine Mail oder einen Kommentar unter diesen Beitrag, wir helfen Dir gerne weiter.

Grundsätze beim Strauchschnitt

  • Schneide deine Sträucher so, dass man ihnen den Schnitt hinterher nicht ansieht.
  • Schneide Deine Gehölze regelmäßig, aber behutsam. Dadurch verjüngst Du die Pflanze konstant. Sie bleibt wüchsig und blühfreudig. Merke: Weniger ist mehr.
  •  Schneide altes Holz immer kurz über demBoden ab.
  • Willst Du zur Seite ragende Triebe einkürzen, leitest Du sie immer auf einen aufrechten Jungtrieb ab. Lass dabei keine Stummel stehen.

Wichtig: Auf zu starken Rückschnitt reagiert die Pflanze mit starkem Ausgleich und/oder ungewöhnlich großem Laub (irgendwo muss die Power der Wurzeln hin, die sind ja noch genauso groß wie zuvor).

So gehst Du vor

  • Betrachte das Gehölz mit ein, zwei Metern Abstand von allen Seiten. Sieh Dir genau den Aufbau der Äste an. Wo ist es zu dicht? Hängen Triebe zur Seite und behindern Fußgänger oder den Rasenmäher?
  • Tritt näher heran und halte nach alten, vergreisten Trieben Ausschau. Die erkennst Du am sehr kurzen Neuzuwachs oder Moos und Flechten auf den Zweigen. Solche Triebe blühen nur noch spärlich, ihre Blätter bleiben kleiner. Schneide sie ab, wobei Du einen etwa zehn Zentimeter langen Stummel stehen lässt. Daran sitzen schlafende Augen, die im Frühling neu austreiben werden.
  • Vereinzele Äste, die zu dicht beieinander stehen oder sich überkreuzen. Lass den jungen Trieb stehen und nimm den älteren heraus.
  • Entferne abgebrochene von Frost beschädigte, kranke und von Schädlingen befallene Zweige.
  • Ist Dir der Strauch über den Kopf gewachsen, kürzt Du die Triebe etwasein. Leite sie auf einen jungen Austrieb um oder schneide allzu lange Zweigedirekt an der Strauchbasis ab. Idealerweise achtest Du schon beim Kauf darauf,wie hoch der Strauch wird und wählst ein Exemplar, das größenmäßig gut in Deinen Garten passt.

 

verknubbelte forsitie

 

Schauen wir uns nun an, welche Besonderheiten für einige der beliebtesten im Sommer blühenden Sträucher gelten.

Schmetterlingsflieder (Buddlejadavidii) schneiden

Der Schmetterlingsflieder (auch Sommerflieder genannt) verkahlt mit der Zeit im unteren Stammbereich. Verpasse ihm jetzt im Januar einen Verjüngungsschnitt, damit er noch diesen Sommer wieder üppig blüht.

  • Schneide den Austrieb des letzten Jahres stark zurück.
  • Für starke Blütenfülle lässt Du einen kurzen Trieb mit maximal zwei Augen stehen. Einen gleichmäßigen Kronenaufbau erzielst Du, indem Du die Länge variierst.
  • Schneide immer oberhalb der neuen Blätter ab und wähle einen Trieb, der nach außen zeigt.
  • Bei älteren Exemplaren entfernst Du vergreiste Äste kurz über dem Boden.

Welche Art wächst in Deinem Garten? Den Wechselständigen Sommerflieder (Buddleja alternatifolia) schneidest Du nicht, der blüht nämlich am zweijährigen Holz. Nur gelegentlich lichtest Du ihn aus, falls er gar zu dicht wuchert.

 

 

Unser Tipp: Beim Sommerflieder verblühte Blütenstände sofort ausputzen. Buddleja davidii ist ein invasiver Neophyt, der sich unkontrolliert ausamt. Dem gebietest Du Einhalt, indem Du dafür sorgst, dass erst gar keine Samen entstehen. Entsorge die Blüten in der Mülltonne, damit die Samen nicht über den Kompost zurück in Deinen Garten wandern.

 

Sommerspiere (Spirea japonica) schneiden

Die Sommerspiere ist sehr schnittverträglich. Schneidest Du sie versehentlich zu kurz ab, macht sie Deinen Fehler mit ihrem kräftigen Wuchs wett. Das darf aber nicht zu oft passieren!

  • Die Sommerspiere ist sehr schnittverträglich. Schneidest Du sie versehentlich zu kurz ab, macht sie Deinen Fehler mit ihrem kräftigen Wuchs wett. Das darf aber nicht zu oft passieren!
  • Scheide die Zweige schräg und kurz über einer Knospe ab.
  • Ältere Pflanzen verkahlen im Inneren. Nimm jedes Jahr einige der drei- bis vierjährigen Triebe sowie alle vergreisten und abgestorbenen Äste heraus. Um die gesamte Pflanze zu verjüngen, setzt Du sie auf den Stock zurück und kürzt alle Äste mutig auf zehn bis zwanzig Zentimeter länge.

 

"Auf den Stock setzen" - was bedeutet das?

Hierbei wird ein Strauch radikal runtergeschnitten auf eine Höhe von 10 bis 50 cm. Du siehst diese rabiate Vorgehensweise häufig bei öffentlichem Grün, wo schon alleine aus Zeitgründen keine behutsame Verjüngung von Sträuchern vorgenommen werden kann. Und tatsächlich können viele Sträucher damit gut klarkommen. Sieht halt erstmal nicht besonders schön aus...

Bauernjasmin (Philadelphuscoronarius) schneiden

Der Bauernjasmin oder Pfeifenstrauch ist kein typischer Sommerblüher. Seine Blüten öffnen sich ab bereits ab Ende Mai. Anders als bei den anderen hier genannten Arten blüht Bauernjasmin am zweijährigen Holz. Schneidest Du ihn komplett zurück, wird er frühestens im folgenden Jahr blühen.

  • Lichte Philadelphus coronariuserst ab dem vierten Standjahr aus.
  • Schneide alle ein bis zwei Jahre die drei ältesten Triebe kurz über dem Boden ab. So verjüngst Du den Strauch fortlaufend. Beginne innen und arbeite Dich nach außen vor.
  • Die Triebspitzen des Pfeifenstrauchs kürzt Du bitte nicht. Sonst verzweigen sie sich und bilden unansehnliche Besen.
  • Uns gefällt der Pfeifenstrauch am besten, wenn er sich als Solitärpflanze nahezu uneingeschränkt entfalten darf.

 

bauernjasmin schneiden gruenbedarf tipp

 

Forsythie (Forsythiax intermedia) schneiden

Obwohl die Forsythie im Frühling blüht, räumen wir ihr Platz in diesem Gartentipp ein. Warum? Weil die beliebte Forsythie den grässlichen Bubikopfschnitt häufig verpasst bekommt. Der passende Schnitttermin liegt für die Forsythie im Frühling direkt nach der Blüte. Größere Schnittmaßnahmen führst Du im Januar oder Februar durch. Dabei büßt Forsythia einen Teil ihrer Blütenpracht ein.

  • Alle zwei bis drei Jahre genügt.
  • Entferne ein Drittel der alten Triebe. Schneide sie direkt über dem Boden ab. Arbeite Dich mit der Zeit von der Strauchmitte nach außen vor, um die gesamte Pflanze nach und nach zu verjüngen.
  • Entferne blühfaule, herabhängende und stark verästelte Zweige. Setze sie auf einen aufrecht wachsenden Trieb oder eine kräftige Knospe zurück.

 

forsithie blüten grünbedarf tipp

 

Schneeball (Viburnum-Arten) schneiden

Kann sich Dein Schneeball an seinem Standort richtig ausbreiten,genügt ein gelegentlicher Pflegeschnitt. Diemeisten Viburnum-Arten vergreisen kaum, selbst alte Äste tragen üppigen Blütenflor. Anders sieht die Sache aus, wennder Schneeball etwas beengter wächst. In dem Fall setzt Du drei bis vier Jahre nach dem Pflanzen zum ersten Mal die Astschere an, um den Strauch im Zaum zuhalten. Beachte bitte, dass der Schneeball zu den Gehölzen gehört, die am mehrjährigen Holz blühen. Ein zu radikaler Winterschnitt verringert seine Blütenpracht.

  • Entferne die ältesten Triebe an der Basis, kurz über dem Boden
  • Kürze überlange Zweige ein und schneide kranke, kaputte und erfrorene Pflanzenteile ab.
  • Die Blätter einiger Schneeball-Arten sind mit feinen Härchen bedeckt, die Augen und Atemwege reizen und allergische Reaktionen verursachen können. Dazu gehören unter anderem der Wollige Schneeball (V. lantana) und der Runzelblättrige Schneeball (V. rhytidophyllum). Wappne Dich mit Schutzbrille und Atemmaske, bevor Du die Schere ansetzt.

 

Sternchenstrauch (Deutzia gracilis) schneiden

Deutzien gehören zu den langsam wachsenden Exemplaren, die rasch vergreisen. Verpasse ihnen am besten alle zwei Jahre einen Verjüngungsschnitt. Am richtigen Zeitpunkt scheiden sich die Geister, weil der Sternchenstrauch bereits im Mai blüht. Nur wenn Deine Deutzie bis zum Johannistag verblüht ist, schneidest Du sie gleich. Wartest Du damit zu lange, treiben die gekürzten Triebe nicht mehr richtig aus. Wir empfehlen Dir, den Schnitt im späten Winter durchzuführen, auch wenn dabei einige Blütenknospen verloren gehen.

  • Schneide alte, verholzte Äste direkt an der Basis ab. Das gelingt Dir mit einer handlichen Astsäge am besten.
  • Störende Triebe kürzt Du um die Hälfte ein. Nicht mehr.
  • Deutzien vertragen radikale Rückschnitte. Vergreiste Sträucher setzt Du bis auf den Stock zurück, um sie zu neuem Austrieb anzuregen.

 

Und welche Gehölze lässt Du ungeschnitten davonkommen?

Manche Bäume und Sträucher lässt Du einfach wachsen. Dazu gehören Zaubernuss (Hamamelis-Arten) und Scheinhasel (Coryolopsis pauciflora), Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), Magnolien (Magnolia-Arten) und die meisten Ahorn-Arten (Vertreter der Gattung Acer). Lediglich kaputtes, krankes und abgestorbenes Holz entfernst Du, damit die Pflanze gesund bleibt. Und das machst Du problemlos während der Vegetationszeit.

 

 

Keine Angst. Gehölzschnitt ist keine Raketenwissenschaft und wie bei vielen Dingen macht Übung den Meister. Halte Dich einfach an die oben genannten Grundsätze und schneide anfangs nicht zuviel ab. Und wer weiß, vielleicht bitten Dich bald Deine Nachbar*innen um Hilfe, weil ihre Bubiköpfe neben Deinen schönen Sträuchern plötzlich alt aussehen.

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