Gartentipp 40 - Kübelpflanzen überwintern

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Winter, Tipps, Pflanzenpflege verschlagwortet am 19. November 2018 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Was Du beim Überwintern frostempfindlicher Kübelpflanzen alles falsch machen kannst

Du brauchst kein Gartenbau-Diplom, um Oleander, Engelstrompete & Konsorten über den Winter zu bringen. Damit Dir keine Fehler unterlaufen, haben wir die häufigsten Missgeschicke in diesem Artikel zusammen getragen. Mit diesem Wissen gewappnet, geht bei Dir hoffentlich nichts schief!

1.  Pflanzen zum falschen Zeitpunkt hereingeholt

Der Umzug ins Winterquartier und die Zeit darin, bedeuten für Deine Kübelpflanzen vor allem eins: Stress. Je weniger Zeit sie darin verbringen, desto besser. Darum zögerst Du das Einwintern so lange heraus, wie es nur geht. Außerdem holst Du nicht alle Pflanzen auf einmal herein, sondern gestaffelt. Je nachdem, wie viel Kälte sie vertragen und wie kalt es draußen tatsächlich ist. Bei niedrigen Temperaturen sterben Schädlinge ab, reifen die Triebe besser aus und das Wachstum hält inne. Prima Vorbereitung fürs Überwintern!

Bananen (Musa-Arten), Schönmalve (Abutilon-Hybriden), Gewürzrinde (Senna corymbosa) Wandelröschen (Lantana camara), Engelstrompete (Brugmansia-Arten), und Roseneibisch (Hibiscus rosa-sinensis) läuten die Einwinterungs-Saison ein. Die holst Du herein, sobald das Thermometer nachts unter zehn Grad fällt. Doch die meisten Kübelpflanzen sind wesentlich robuster und bleiben bis zum ersten Frost draußen. Leichte Kälteschäden stecken sie besser weg, als den Stress drinnen. Zu diesen Arten gehören unter anderem die Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), Granatapfel (Punica granatum), Passionsblume (Passiflora-Arten), Bitterorange (Citrus ×aurantium), Schmucklilie (Agapanthus praecox) und Oleander (Nerium oleander).

 

granatapfel pflanze mit bluete ueberwintern gruenbedarf gartentipp

 

Und wieder andere Pflanzen, darunter manche Sorten der Echten Feige (Ficus carica) , sowie Lorbeer (Laurus nobilis) und Oliven (Olea europaea) halten sogar Frost bis minus zehn Grad aus. Sie bleiben am längsten draußen und sind die ersten, die das Winterquartier im Frühling verlassen. In milden Lagen und Wintern überdauern diese Arten die kalte Jahreszeit gut verpackt im Freien.

2.  Unpassende Bedingungen im Winterquartier

Der winterliche Standort für die Kübelpflanzen ist oft eine provisorische Angelegenheit. Wer von uns hat schon einen geräumigen Wintergarten, eine Orangerie, ein großes Gewächshaus im Garten? In den meisten Fällen ist der zum Winterquartier erkorene Platz zu warm oder die Luft darin ist zu trocken. Denn in solcher Umgebung (etwa in einem durch die Heizungsanlage zu warmen Keller) finden Deine Kübelpflanzen keine Ruhe. Mit dünnen, kraftlosen Trieben recken sie sich der nächsten Lichtquelle zu. An diesen sogenannten Geiltrieben machen sich oft Schädlinge breit.

Welche Bedingungen den Kübelpflanzen das Überwintern erleichtern, hängt von der jeweiligen Pflanzenart ab. Darum haben wir auf die Frage nach dem idealen Winterquartier für Kübelpflanzen keine pauschale Antwort parat.

Die meisten lieben es kühl

An einem dunklen und kühlen Ort fühlen sich solche Kübelpflanzen wohl, die ihre Blätter im Winter abwerfen. Das wären unter anderem die Engelstrompete, Granatapfel, Feigen und andere Ficus-Arten, Schmucklilien und Drillingsblumen (ausschließlich die Art Bougainvillea glabra). Im gut belüfteten Keller, einem kühlen Nebenraum der Garage, dem Gartenhäuschen oder Geräteschuppen machst Du es ihnen gemütlich. Ein Frostwächter (das ist eine automatische Heizung) hält die Temperatur über dem Gefrierpunkt. Achte darauf, dass es im Winterquartier nie wärmer als zehn Grad wird. Sonst treiben die Pflanzen vorzeitig aus und verpulvern dabei Reserven, die ihnen später im Frühling fehlen.

 

oleander ueberwintern gruenbedarf tipp

 

Hanfpalme, Zitruspflanzen, Lorbeer, Oleander, Agaven (Agave-Arten) und Fuchsien (Fuchsia-Arten) sind immergrüne Pflanzen, deren Stoffwechsel im Winter verlangsamt weiter läuft. Darum suchst Du ihnen ein kühles, helles Plätzchen. Ein frostfreies Gewächshaus, ein spezielles Überwinterungszelt oder den ungeheizten Wintergarten. Räume mit großen Fenstern schattierst Du an sonnigen Tagen, um starke Temperaturschwankungen zu vermeiden. Mit einem Frostwächter oder einer kleinen Heizung hältst Du die Temperatur konstant bei etwa fünf Grad. Dunkle, kühle Räume (Keller, Gartenhäuschen, Treppenhaus) verwandelst Du mit einer Pflanzlampe in ein den Immergrünen genehmes Winterquartier. Pflanzen, die Du an einem dunklen, jedoch zu warmen Ort überwinterst, benötigen ebenfalls Zusatzlicht.

Manche wollen es warm haben

Einige wenige Kübelpflanzen verbringen den Wintern gern hell und warm in Deiner Wohnung. Okay, nicht zu warm, fünfzehn bis zwanzig Grad genügen. Zu dieser Gruppe gehören Hibiskus, Schönmalve, Jacarandabaum (Jacaranda mimosifolia), Frangipani (Plumeria-Arten) oder die Panamahutpalme (Carludovica palmata). Alles tropische Pflanzen. Damit sie genug Licht bekommen, wählst Du einen Raum, der nach Südosten oder Südwesten geht oder installierst eine Pflanzlampe. Je wärmer der Standort ist, desto mehr Licht brauchen die Pflanzen, um nicht zu vergeilen. Ein beheizter Wintergarten, ein warmes Gewächshaus oder der Flur kommen ebenfalls als Winterquartier für diese Pflanzen in Frage.

 

frangipani ueberwintern gruenbedarf tipp

 

3.  Pflegeroutine nicht verändert

Gießt und düngst Du Deine eingewinterten Kübelpflanzen wie während der Sommermonate, sind unglückliche Pflanzen vorprogrammiert. Zu häufiges Gießen führt im Winterquartier leicht zu Wurzelfäule. Und weil die Pflanzen während des Winters nicht wachsen, ist Dünger überflüssig. Gibst Du trotzdem welchen, versalzt das Substrat. Durch das Konzentrationsgefälle zwischen Erde und Wurzelzellen verliert die Pflanze Wasser oder stirbt ab.

Nach dem passenden Standort ist eine entsprechende Pflege das A und O der Kübelpflanzen-Überwinterung. Und die hängt von zwei Faktoren ab: dem Winterquartier (hell oder dunkel) und der Pflanzenart.

Pflanzen, die den Winter im Dunkeln verbringen, fallen in eine Art Winterschlaf und kommen gut mit wenig Wasser aus. Gieße sie sparsam und höchstens einmal pro Woche. Lass das Substrat zwischen zwei Wassergaben trocknen. Die Daumenprobe oder das Gewicht des Topfes verraten Dir, ob wieder Zeit zum Gießen ist. Verwende abgestandenes, lauwarmes Wasser. Je heller und wärmer die Pflanzen stehen, desto öfter verlangen sie nach Wasser. Gieße sie sparsam und erst, wenn sich das Substrat trocken anfühlt. Und manche Pflanzen überstehen die Wintermonate komplett wasserlos. Frangipani, die Wüstenrose (Adenium obesum), nicht winterharte Kakteen und kalt überwinterte Agaven fallen im Winter in eine Trockenruhe. Erst, wenn sie im Frühling erneut austreiben, gewöhnst Du diese Arten allmählich ans Gegossen-werden.

Und die Düngerflasche macht im Winter Pause. Fahre zum Spätsommer hin die Düngung zurück. Die letzte Gabe erfolgt spätestens im August. So bekommen Deine Pflanzen im Herbst keinen unnötigen Wachstumsschub und ziehen mit ausgereiften Trieben ins Winterquartier. Die nächste Düngung gibt es erst im Frühling, wenn Du die Kübelpflanzen ausräumst.

Extra-Tipp

Verlieren immergrüne Kübelpflanzen im Winterquartier ihre Blätter, ist fast immer Lichtmangel Schuld. Die kahlen Zweige sehen zwar wie vertrocknet aus, doch erst ein hellerer Standort oder eine Pflanze lassen die Blätter wieder sprießen.

4.  Niedrige Luftfeuchtigkeit im Winterquartier

Selbst immergrüne Kübelpflanzen brauchen während der Wintermonate kaum Wasser. Gegen hohe Luftfeuchtigkeit haben sie nichts einzuwenden. In vielen Häusern und Innenräumen ist die Luft zu trocken. Dein sparsames Gießen tut ihren Wurzeln zwar gut, trägt jedoch nicht gerade zu einer feuchteren Luft bei. Die Blattränder von Kübel- und Zimmerpflanzen färben sich braun, Spinnmilben und andere Schädlinge haben leichtes Spiel. Darum stellst Du zwischen den Töpfen wassergefüllte Schalen oder einen Zimmerspringbrunnen auf. Benetze gelegentlich die Blätter und vergiss nicht, das Winterquartier an frostfreien Tagen ausgiebig zu lüften. All das trägt zu einem pflanzenfreundlicheren Klima bei.

5.  Kübelpflanzen frieren an den Füßen

Der Boden im Gewächshaus ist ganz schön kalt. Das vertragen hell eingewinterte Pflanzen nicht. Stehen sie direkt auf dem nackten Beton, werden ihre Blätter gelb oder fallen ab. Vor allem Zitrusgewächse reagieren auf Fußkälte äußerst empfindlich. Damit das nicht passiert, platzierst Du die Töpfe und Container auf Styroporplatten, Holzbrettern oder vergleichbaren isolierenden Materialien. Flache Untersetzer mit Rollen schaffen Distanz zum kalten Boden und erleichtern gleichzeitig den Transport der Pflanzen. Sie eignen sich allerdings nicht für jeden Belag.

6.  Kübelpflanzen vor dem Winter zu stark geschnitten

Zugegeben, an diesem Thema scheiden sich die Geister. Manche Gärtner*innen schwören darauf, ihre Kübelpflanzen bereits beim Einräumen zu stutzen. Andere setzen die Gartenschere erst im Frühling an. Wie ist es denn nun richtig?

Wir empfehlen Dir, die diesjährigen Triebe im Herbst höchstens um ein Drittel einzukürzen, damit alle bequem ins Winterquartier passen. Der eigentliche Pflegeschnitt findet erst im Frühling statt. Bevor Du Deine Pflanzen einräumst, putzt Du sie aus und entfernst abgestorbene oder stark mit Schädlingen befallene Pflanzenteile, sowie weiche Wasserschosser. Ältere Engelstrompeten und ausladende Fuchsien vertragen einen kräftigeren Rückschnitt. Dann sind die Gewächse leichter zu transportieren und verteilen ihre großen Blätter nicht überall in Deinem Keller. Erledige alle Schnittarbeiten ein paar Tage vor dem Einwintern, damit die Schnittstellen trocknen.

Manche Pflanzen räumst Du ungestutzt rein. Oleander beispielsweise. Der legt seine Blütenknospen im Herbst an. Schneidest Du ihn jetzt und die Knospen ab, bleibt im kommenden Sommer die Blütenpracht aus. Logisch. Bei einem sehr großen Oleander nimmst Du einzelne Triebe heraus, dann blüht er trotzdem, nur eben weniger als sonst. Oder Du bindest die Pflanze vorsichtig zusammen. Lorbeerbäumchen, Prinzessinenblume (Tibouchina urvilleana), Zitruspflanzen und Enzianstrauch (Lycianthes rantonnetii) bringst Du ebenfalls erst im Frühling in Form.

 

feigenbaum ueberwintern gruenbedarf tipp kuebelpflanzen

 

7.  Eingewinterte Kübelpflanzen sich selbst überlassen

Damit Deine empfindlichen Kübelpflanzen den Winter überleben, ist es nicht damit getan, sie hereinzuholen und ihnen gelegentlich etwas Wasser zu geben. Vergiss nicht, sie regelmäßig nach Schädlingen abzusuchen. Weite die Kontrolle auf Deine Zimmerpflanzen aus, damit Du keine Tierchen vom Winterquartier ins Haus oder andersrum einschleppst.

Nutze die wöchentliche Gießrunde, um alle Pflanzen genau unter die Lupe zu nehmen. Der Aufenthalt im Winterquartier stresst sie. Und gestresste Pflanzen sind für Weiße Fliegen, Blatt-, Woll- und Schmierläuse, Trauermücken und natürlich Spinnmilben besonders anfällig. Auf ihren zuckerhaltigen Ausscheidungen siedeln sich Rußtaupilze an. Sie bilden einen dunklen Belag auf den Blättern, der die Pflanzen indirekt schwächt, weil er die Photosynthese behindert. Das brauchst Du im Lichtern Winter nun überhaupt nicht! Mit einem feuchten Lappen wischst Du ihn ab, ohne Fungizide und Chemie.

In kühler und feuchter Atmosphäre fühlt sich der Grauschimmel (Botrytis cinearea) wohl. Damit es nicht erst so weit kommt, räumst Du ausschließlich gesunde Pflanzen mit trockenem Laub ins Winterquartier. Befallene Gewächse trennst Du von den anderen, bis sie schädlingsfrei sind. Entferne von Zeit zu Zeit herabfallende Blätter und abgestorbene Pflanzenteile, um Pilzen keinen Nährboden zu bieten.

Insektenalarm - was tun?

Trotz aller Vorsorge ist es passiert: Saugende Insekten und Milben breiten sich im Winterquartier aus. Handle schnell, damit die Situation nicht aus dem Ruder läuft. Läuse sitzen dicht an dicht an Zweigen und Blättern? Schneide sie komplett ab, die sind eh nicht mehr zu retten. Weniger stark befallene Pflanzenteile behandelst Du mit einem passenden Pflanzenschutzmittel. Pflanzen mit dicken, robusten Blättern vertragen Präparate auf Rapsölbasis gut. Zartbelaubte Gewächse behandelst Du besser mit anderen Insektiziden. Mit Gelbtafeln fängst Du durch die Räume schwirrende Trauermücken weg. Pflanzenschutzstäbchen, die man direkt in den Topf steckt, nutzen im Winter wenig, weil die Pflanzen die enthaltenden Wirkstoffe durch ihren verlangsamten Stoffwechsel kaum aufnehmen.

Wirst Du die Plagegeister einfach nicht los? Scheint, als stimmt etwas mit den Bedingungen im Winterquartier nicht. Ist es zu warm? Herrscht Lichtmangel? Wie ist es um die Luftfeuchtigkeit bestellt? Oder steigt Kälte vom Fußboden in die Töpfe? Finde heraus, wo das Problem liegt, und beseitige es. Das spart Nerven und Pflanzenschutzmittel.

 

engelstrompete ueberwintern gruenbedarf gartentipp

 

Zu kompliziert? Dann ab in den Urlaub...

Stimmt. Frostempfindliche Kübelpflanzen zu überwintern, erfordert Platz, Zeit und eine gewisse fürsorgliche Ader. Falls Du Dich damit nicht abmühen willst, kein geeignetes Winterquartier hast und über das nötige Kleingeld verfügst, gibt es noch die Option, Deine Pflanzen einer Gärtnerei in Obhut zu geben. Winterurlaub. Wie auch immer Du Deine Kübelpflanzen überwinterst — sie danken Dir Deine Mühe und sehen im nächsten Jahr noch dekorativer aus, als vorher.

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...