Gartentipp 39 - Obst und Gemüse lagern

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Ernte, Gemüse, Obstbau verschlagwortet am 5. November 2018 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Mit diesen drei Methoden bleibt Deine Ernte frisch bis zum Frühling

Dein Garten hat mehr Obst und Gemüse produziert, als Du sofort verbrauchen oder verschenken kannst? Wohin nur mit all dem Überfluss? Lagere die Früchte Deiner Arbeit doch einfach ein. Viele Obst- und Gemüsearten halten unter den richtigen Bedingungen mehrere Monate lang, ohne ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu verlieren. Wir stellen Dir drei bewährte Methoden vor, die Deine Ernte möglichst lange frisch halten. Schließlich gibt es im tiefen Winter nichts besseres, als einen üppigen Vorrat an Obst und Gemüse aus eigenem Anbau, oder?

 

Diese Obst- und Gemüsearten eignen sich zum Lagern

Im Winterlager bewahrst Du unverarbeitetes Obst und Gemüse auf. Das funktioniert natürlich nicht mit allen Arten. Zarte Blattgemüse wie Salat oder Spinat verzehrst Du direkt nach der Ernte. Sie sind nicht lagerfähig. Andere Ernteprodukte, wie Kernobst, Tomaten, Erbsen, Bohnen oder Gurken frierst, legst oder weckst Du ein. Fermentation ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Gemüse haltbar zu machen und gesund obendrein. Und zum Einlagern eignen sich die folgenden Obst- und Gemüsearten:

 

  • Kartoffeln, Möhren, Pastinaken
  • Knollensellerie, Wurzelpetersilie, Rote Bete
  • Kürbis, Zucchini
  • Zwiebeln, Schalotten, Knoblauch
  • Steckrüben
  • Kopfkohl
  • Porree
  • Äpfel, Birnen, Walnüsse, Haselnüsse

 

Späte Sorten halten im Lager wesentlich länger als früh reifende Züchtungen. Denke also bereits beim Saat- und Pflanzgutkauf daran, wie Du die Ernte zu verwenden gedenkst. Für eine lange Erntezeit empfehlen wir Dir einen gestaffelten Anbau: frühe Sorten isst Du sofort auf, späte Sorten hebst Du für den Winter auf. Übrigens auch Deine Anbaumethoden und vor allem die Düngung beeinflussen die Haltbarkeit des Ernteguts. Verabreichst Du zu viel Stickstoff, werden die Zellen weich. Schädlinge und Schimmelpilze haben leichtes Spiel und Dein Vorrat verdirbt. Achte darum auf eine ausgewogene Pflanzenernährung.

 

Gemüse aufs Einlagern vorbereiten

Gemüse und Obst, das Du gleich nach der Ernte einlagern wirst, brauchst Du nicht großartig zu putzen. Klopfe lediglich die anhaftende Erde grob ab. Klebt die sehr fest, lässt Du Kartoffeln oder Wurzelgemüse über Nacht an einem dunklen, kühlen Ort trocknen. Keinesfalls wäschst Du Obst und Gemüse vor dem Einlagern. Feuchtes Gemüse und Obst verdirbt rasch. Aus diesem Grund wartest Du mit dem Ernten einen trockenen Tag ab (macht bei Regenwetter eh keinen Spaß).

Perfekte Exemplare aussuchen

Nur gesundes, voll ausgereiftes und unversehrtes Gemüse darf ins Winterlager. Sortiere jegliches Erntegut aus, das angefressen ist, Beschädigungen oder Druckstellen aufweist oder von Schädlingen befallen ist. Jede noch so kleine Verletzung wird zur Eintrittspforte für Pilze und Bakterien. Darum behandelst Du die Gemüse und Früchte beim Ernten ganz behutsam. Äpfel und Rote Bete sind besonders empfindlich. Beschädigtes Erntegut isst Du entweder sofort auf, oder machst es anderweitig haltbar. Ein leicht angenagter Weißkohl schmeckt als Sauerkraut trotzdem lecker. Und wie!

Putzen muss sein

Bei Wurzelgemüsen wie Möhren oder Pastinaken drehst Du das Grünzeug ab. Verwende es als Mulchschicht oder Kaninchenfutter. Kopfkohl ziehst Du bei der Ernte mitsamt seinen Wurzeln aus der Erde. Und genauso lagerst Du die Kohlköpfe ein. Entferne kranke oder von Schädlingen befallene Hüllblätter. Alle anderen bleiben dran. Das große Putzen kommt erst später, wenn Du den Kohl verarbeitest. Bei der Kürbisernte achtest Du darauf, den verholzten Stiel an den Früchten zu lassen. Damit Zwiebeln und Knoblauch im Lager nicht schimmeln, müssen sie nach der Ernte rund zehn Tage lang trocknen. Bei gutem Wetter lässt Du sie auf dem Beet liegen. Regnet es, breitest Du die Zwiebeln an einem überdachten Platz aus.

Entferne lose Schalen, Laubreste und Erdkrümel. Äpfel benötigen keine spezielle Vorbereitung (bei denen kommt es eher auf den Pflücktermin an, aber das ist ein anderes Thema). Walnüsse befreist Du vor dem Einlagern von ihrer grünen Schale. Trage Handschuhe, weil die enthaltenen Gerbsäuren Deine Finger braun färben. Genau wie Zwiebeln trocknest Du Wal- und Haselnüsse vor dem Einlagern. Dafür eignet sich eine offene Kiste, die Du auf den Dachboden, an die Heizung oder tagsüber ins Freie stellst. Achte darauf, dass die Temperatur nicht über fünfundzwanzig Grad steigt oder die Nüsse werden ranzig. Haben sie nach drei bis sechs Wochen ihr ursprüngliches Gewicht halbiert, sind sie bereit fürs Einlagern.

 

walnuesse gruenbedarf tipp lagern

 

Ansprüche an das ideale Winterlager

Weil die meisten Früchte und Gemüse im Lager Wasser verlieren (und dadurch schrumpelig werden), bewahrst Du sie in einer Umgebung mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit auf. Liegt die zwischen siebzig und achtzig Prozent, bleiben Äpfel und Karotten knackig. Stelle einen Eimer voll Wasser in Deinen Lagerraum, falls die Luft darin zu trocken ist. Überdies sollte das Winterlager dunkel und kühl sein. Optimal sind konstante Temperaturen zwischen zwei und sechs Grad Celsius, die niemals über zehn Grad steigen. Dadurch verlangsamt sich der im Erntegut ablaufende Stoffwechsel oder stoppt ganz.

Eine Ausnahme stellen Zwiebeln, Schalotten und Knoblauch dar. Sie benötigen einen trockenen Raum mit guter Luftzirkulation.  Kälte fördert ihr Wachstum, darum kann das Zwiebellager etwas wärmer sein. Traditionell werden Zwiebeln, Knoblauch & Co. an ihrem Laub zu Zöpfen geflochten und hängend auf dem Speicher aufbewahrt. Steht Dir kein Dachboden zur Verfügung, sind Hausflur oder Geräteschuppen mögliche Alternativen. Oder die Gartenlaube, die im Winter sowieso leer steht.

Wal- und Haselnüssen suchst Du einen trockenen, kühlen und gut durchlüfteten Ort. Am besten lagerst Du sie hängend in sauberen Zwiebel- oder Kartoffelsäcken.

 

Wichtig: Lagere Äpfel in einem anderen Raum oder wenigstens weit weg von Kartoffeln und anderen Gemüsearten. Sie produzieren das Reifegas Ethen. Diese Substanz lässt umliegende Gemüse rasch verderben. Andererseits nutzt Du diesen Effekt, um in der Küche unreife Avocados und grüne Bananen schneller genießbar zu machen.

Gut zu wissen

Du magst Wein und besitzt eine kleine oder größere Sammlung erlesener Tropfen? Dann lagere sie nicht in einem Raum mit stark riechenden Gemüsearten. Vor allem, wenn die Flaschen mit Naturkorken verschlossen sind. Das Material nimmt die Gerüche auf und gibt sie an den Wein ab. Und welchem Gaumen mundet schon ein zwiebeliger Wein?

 

Erstens: Gemüse und Obst im Keller lagern

Der Keller unter Deinem Haus ist dunkel, kühl und erfüllt alle Bedingungen, die ein perfektes Winterlager ausmachen? Oder Dir steht gar ein Erdkeller zur Verfügung? Wunderbar, einen besseren Ort für Dein Gemüse wirst Du nicht finden. Jetzt brauchst Du ein paar Kisten, Sand, Zeitungspapier, Holzstiegen und ein Regal. Und so geht es weiter:

 

tipp pastinaken lagern

 

  • In den geschlossenen Kisten schichtest Du abwechselnd leicht feuchten Sand und Möhren, Pastinaken oder anderes Wurzelgemüse. Wie bei einer Lasagne.
  • Kartoffeln kommen in Kisten mit durchbrochenen Wänden oder Leinensäcke. Stapele nicht zu viele Kartoffeln übereinander, damit sie keine Druckstellen kriegen. Am besten deckst Du sie mit Zeitungspapier oder einem leeren Kartoffelsack ab, damit die oberste Schicht nicht grün wird.
  • Kohlköpfe schlägst Du in Back- oder Zeitungspapier ein. Lagere sie anschließend in einem Regal (das steht am besten an der Nordseite des Kellers) oder hänge sie kopfüber am Strunk auf.
  • Kürbisse und Zucchini dürfen auf keinen Fall Frost abbekommen. In dunkler, kühler Umgebung halten sie relativ problemlos einige Monate lang durch.
  • Äpfel lagerst Du nebeneinander in Obststiegen oder flachen Kisten. Sie dürfen einander nicht berühren. Bleibt Dir aus Platzgründen nichts anderes übrig, als die Äpfel zu stapeln, legst du zwischen jede Schicht eine Stück Wellpappe.

 

Gut zu wissen

Beachte bitte, dass moderne Keller mit ihren Betonwänden und Heizungsanlagen zu warm und zu trocken sind, als dass Du Gemüse und Obst darin lagern könntest. In diesem Fall weichst Du auf einen frostfreien Geräteschuppen oder ein abgedunkeltes Gartenhäuschen aus. Oder Du vergräbst eine alte Waschmaschinentrommel, einen ausgedienten Metalleimer oder ein Fass aus Kunststoff im Garten. Die beiden letztgenannten Varianten versiehst Du mit Löchern, damit das eingelagerte Gemüse nicht schimmelt. Und im Sommer nutzt Du den Erdkeller Marke Eigenbau als Gartenkühlschrank.

 

Zweitens: Die Erdmiete — Gemüse lagern wie zu Großmutters Zeiten

Wurzelgemüse hält unterirdisch am längsten. Da bietet sich die Lagerung in einer Grube, der sogenannten Erdmiete an. Das ist eine kostengünstige Lagermethode für alle, die keinen Keller haben, aber genug Platz auf dem Acker oder im Garten. Sie stammt aus einer Zeit, in der es noch keine Kühlschränke gab und funktioniert erstaunlich gut. Um selbst Deine Ernte einzumieten, brauchst Du einen Spaten oder eine Grabegabel, langhalmiges Stroh (gibt’s auf Biohöfen), sowie engmaschigen Draht und — falls vorhanden — Walnussblätter zur Mäuseabwehr.

 

Diese Gemüse mietest Du ein: Möhren, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Lagerkohlrabi, Topinambur, Schwarzen Rettich, Rote Bete, Porree und Rüben. Ebenso kannst Du Kartoffeln in Erdmieten lagern. Statte sie mit einer extra dicken Isolierung aus, weil schon leichter Frost ihr Aroma verändert. Den anderen Gemüsearten machen ein paar Grad unter Null nichts aus.

So legst Du eine Miete an

  • Hebe eine etwa dreißig Zentimeter tiefe und ausreichend große, rechteckige Grube aus. Bei großen Mengen bekommt jedes Gemüse seine eigene Miete.
  • Ist der Boden schwer und neigt zu Staunässe? Dann verteilst Du eine dicke Schicht Sand als Drainage in der Miete. Regenwasser muss schnell abfließen können, das Gemüse darf nicht im Nassen hocken.
  • Kleide die Grube mit engmaschigem Draht aus. Wenn Du möchtest und welches hast, verteilst Du darauf eine großzügige Menge Walnusslaub. Das hält Mäuse fern.
  • Schichte das Gemüse giebelförmig in der Grube auf. Kleine Mengen mietest Du in durchbrochenen Kisten aus Kunststoff
  • Bedecke das Gemüse mit einer üppigen Strohschicht. Manche Gärtner*innen verwenden zusätzlich Schilfhalme als Regenschutz.
  • Anschließend schaufelst Du Erde auf die Miete, bis das Gemüse komplett darunter verschwindet. Auf dem Gipfel des Gemüsebergs lässt Du einzelne Strohbüschel wie Kamine heraus gucken. Die leiten warme Luft aus der Miete.
  • Wenn ein Kälteeinbruch droht, dann verstärkst Du die Erdschicht auf der Miete. Kündigt die Vorhersage warmes Wetter an, nimmst Du hingegen etwas Erde weg, damit das Gemüse in der Miete nicht zu warm wird und fault. Mit einem Kompostthermometer behältst Du die Temperatur im Inneren der Miete im Blick.
  • Um Gemüse zu entnehmen, öffnest Du die Miete an der schmalen Seite. Und zwar nur bei frostfreien Wetter. Entferne bei der Gelegenheit gleich schimmliges, matschiges Gemüse. Danach verschließt Du die Miete sorgfältig.

 

lauch lagern gruenbedarf tipp

 

Eine Ausnahme ist Porree. Denn der kommt nicht in die komplett unterirdische Miete. Die Stangen gräbst Du halb ein, die Blätter gucken noch heraus. Diese Methode heißt einschlagen. Markiere die Miete mit einem langen Bambusstab, damit Du sie im Winter und bei Schnee wiederfindest. Manche Porreesorten sind winterhart (‘Freezo’ oder ‘Blaugrüner Winter’), die lässt Du auf dem Beet stehen und erntest sie an frostfreien Tagen. Lass gefrorenen Porree behutsam auftauen und berühre ihn nicht. Andernfalls matscht er und verliert sein Aroma.

 

Drittens: Der Balkon als Gemüselager

Du hast keinen Keller? Dein Garten liegt nicht direkt am Haus und Du willst nicht jedes Mal mehrere Kilometer unterwegs sein, wenn Du Appetit auf ein paar frische Möhren hast? Dafür verfügt Deine Wohnung über Balkon oder Terrasse? Na bitte, dann bewahrst Du Deine Ernte eben dort auf.

 

In warmen Gegenden und für die kurzzeitige Lagerung bewahrst Du Äpfel und Birnen in hölzernen Obstkisten auf. In Boxen aus Styropor (mit Deckel!) sind die Früchte vor Frost und naschhaften Vögeln geschützt. Der Vorteil: Das Material ist atmungsaktiv. Kondenswasser entweicht und das Obst schimmelt nicht. Drohen allerdings Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, holst Du das mobile Obstlager besser ins Haus oder in die Garage. Vermeide überdies starke Temperaturschwankungen.

Wurzelgemüse lagerst Du auf dem Balkon in sandgefüllten Eimern. Möhren und anderes Wurzelgemüse, sowie Äpfel und verschiedene Kohlarten vertragen leichten Frost problemlos. Solange sie gefroren sind, darfst Du sie nicht anfassen oder transportieren. Kartoffeln verändern bei zu niedrigen Temperaturen ihren Geschmack, darum eignen sich Balkon und Terrasse für sie höchstens als vorübergehender Aufbewahrungsort.

 

Klar, Obst und Gemüse einzulagern ist mit einigem Aufwand verbunden. Doch wenn Du in Deinen winterlichen Garten guckst und dabei einen von der Sonne verwöhnten Apfel vom eigenen Baum naschst, hat sich die Mühe gelohnt.

 

Du willst mehr wissen? Unter den folgenden Links findest Du weitere Infos zum Thema:

Tipps zum Lagern von Obst und Gemüse der Gartenakademie Rheinland-Pfalz

Hinweise des BUND Lemgo zum richtigen Lagern von Äpfeln

„Einen Erdkeller als Vorratslager bauen“ auf mein-schoener-garten.de

2 Kommentare zu „Gartentipp 39 - Obst und Gemüse lagern“

  • Karl-Heinz

    Ich habe seit Jahren gute Erfahrungen damit, ausgediente Waschmaschinentrommeln von Topladern einzugraben. Mit etwas Stroh gefüllt sind sie der perfekte Schutz vor Wühlmäusen & Co. Und durch die Klappe kommt man gut an das eingelagerte Gemüse.

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...