Gartentipp 38 - In 5 Schritten zum neuen Apfelbaum

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Obstbau verschlagwortet am 17. Oktober 2018 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Der Herbst ist da und mit ihm der perfekte Zeitpunkt, um einen neuen Apfelbaum (sowie andere Obstgehölze und Beerensträucher) pflanzen. Bevor Du auf gut Glück einen Baum kaufst, machst Du Dir Gedanken über die passende Sorte. Mit der Wahl der richtigen Apfelsorte vermeidest Du bereits im Voraus viele Anbauprobleme und legst den Grundstein für ertragreiche Apfeljahre.

Nur, woher weißt Du, welche Sorte am besten in Deinen Garten und zu Dir passt? Die Auswahl ist überwältigend, das Bundessortenamt verzeichnet über 6000 Apfelsorten. Was für eine Vielfalt! Lies unseren Gartentipp, dann weißt Du, worauf es bei der Sortenwahl ankommt. Wir beschränken uns auf den Apfel. Im Grunde gelten unsere Hinweise für jede Nutzpflanze. Also, legen wir los!

 

Erstens: Wo wird der Apfelbaum stehen?

Zuallererst beschäftigst Du Dich mit dem zukünftigen Standort des Apfelbaums. Zwar sind Apfelbäume weniger wählerisch als andere Obstbäume und wachsen beinah überall. Wahrscheinlich sind sie darum auch so beliebt. Dennoch ermöglicht Dir das genaue Wissen über die Standortbedingungen, eine Sorte auszuwählen, die gut damit zurechtkommt. Ein Baum, der sich in Deinem Garten wohlfühlt, ist wüchsig und wird seltener krank. Er blüht üppig, seine Früchte haben das sortentypische Aroma.

Boden

Apfelbäume bevorzugen nährstoffreiche Böden, die viel Wasser speichern, jedoch nicht staunass sind. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 6 und 6,5. Erfüllt Dein Gartenboden diese Ansprüche nicht, ist das noch lange kein Grund, auf einen Apfelbaum zu verzichten. Zur sortenreinen Vermehrung werden Apfelsorten veredelt. Durch die Wahl der Unterlage (das ist der Teil des Baums, der die Wurzel bildet) entstehen Apfelbäume, die auf mageren, kalkhaltigen oder trockenen Böden wachsen.

Schau Dir Deinen Gartenboden gut an. Zu welcher Bodenart gehört er? Ist er sauer oder kalkhaltig, nährstoffreich oder mager? Und wie ist es um den Humusgehalt bestellt? Um das herauszufinden, lässt Du eine Bodenuntersuchung durchführen. Je nach Labor dauert es einige Wochen, bis Du die Ergebnisse in den Händen hältst.

Zumindest die Bodenart kannst Du einfach so bestimmen (wenn auch weniger genau) und zwar mit der Finderprobe. Dabei nimmst Du etwas Erde in Deine Hand und zerreibst sie zwischen Daumen und Zeigefinger. Ein leichter Boden fühlt sich rau an, ein schwerer ist samtig und klebt an der Haut. Im nächsten Schritt achtest Du darauf, wie knetbar der Boden ist. Je besser Du ihn zusammenballen und je dünnere Röllchen Du daraus formen kannst, desto schwerer ist der Boden. Eine Anleitung für die Fingerprobe mit Bestimmungsschlüssel der Bodenart findest Du hier (externer Link). Und mit dem Test-Kit von Neudorff ermittelst Du innerhalb weniger Minuten den pH-Wert Deines Gartenbodens.

Weitere Erkenntnisse liefern Dir sogenannte Zeigerpflanzen, die in Deinem Garten wachsen. Zum Beispiel deuten Brennnesseln auf einen stickstoffhaltigen Boden hin, Ackerschachtelhalm auf verdichteten, feuchten Untergrund und der Blaue Natternkopf wächst gern auf lockeren, sandigen Böden.

Klima

Dein zukünftiger Apfelbaum passt zum Klima, das bei Dir herrscht. Tut er das nicht, drohen Aroma- und Ertragsverluste. Wohnst Du in einer warmen Weinbaugegend oder herrschen bei Dir kühle, feuchte Sommer und Spätfröste vor? In Innenstädten ist es wärmer, als am Stadtrand oder auf dem Land. Auch die Höhe über dem Meeresspiegel spielt eine Rolle. Manche Apfelsorten eignen sich eher fürs Flachland, andere wachsen in höheren Lagen besser.

An welchem Platz in Deinem Garten soll der Apfelbaum wachsen? Befinden sich Mauern oder große Steine in der Nähe, die Wärme speichern? Schwankt die Temperatur im Tagesverlauf stark oder bleibt sie konstant? Wie sind die Lichtverhältnisse? Ist es windig oder geschützt? Der ideale Standort im Garten ist sonnig und luftig, damit nach einem Regenguss Blätter und Früchte schneller trocknen. Achte darauf, den Baum nicht zu nah an ein Gemüsebeet zu pflanzen, damit sein Schatten nicht die dort wachsenden Pflanzen beeinträchtigt.

 

leuchtend roter apfel am zweig

 

Zweitens: Spindel oder Hochstamm – welche Wuchsform passt in Deinen Garten?

Apfelbäume existieren in verschiedenen Größen. Je nachdem, auf welche Unterlage sie veredelt sind. Bäume, deren Krone über einem mindestens ein Meter achtzig langem Stamm ansetzt, heißen Hochstämme. Sie erreichen eine Gesamthöhe von über zehn Metern und nehmen viel Raum ein. Hochstämme eignen sich für große Gärten und Streuobstwiesen. Im Hausgarten pflanzt Du besser einen Halbstamm, bei dem die Krone etwa achtzig Zentimeter über dem Boden beginnt. Dann gehen Dir Pflegemaßnahmen und Ernte leichter von der Hand. Allerdings erschwert die niedrigere Krone das Rasenmähen, wenn der Baum direkt auf der Wiese wächst. In kleinen Gärten bieten sich Spindelbäume und Apfelbüsche an. Bei denen ist der Stamm weniger als achtzig Zentimeter lang. Für sie werden schwach wachsende Unterlagen verwendet, darum bleibt die Krone insgesamt kleiner. Du gärtnerst auf Balkon oder Terrasse und träumst von frischen Äpfeln aus dem eigenen Anbau? Kein Problem, dafür gibt es Säulenäpfel. Die sind standfester, als Spindelbäume und wachsen sogar in Containern gut.

Bäume mit schwach wüchsiger Unterlage fruchten bereits im ersten Standjahr. Pflanzt Du einen Hochstamm, dauert es mehrere Jahre bis zur ersten Ernte. Dafür leben Hochstämme länger als Apfelbüsche. Zum Glück werden beinah alle Apfelsorten mit verschiedenen Unterlagen angeboten. Da ist garantiert die für Deinen Garten perfekte Wuchsform dabei.

 

apfelbaum mit reifen fruechten

 

Drittens: Stehen in der Nähe passende Befruchtersorten?

Einem üppig blühenden Apfelbaum, der nie Früchte trägt, fehlt ein Pollenspender in Bienenflugnähe. Die meisten Apfelsorten sind selbststeril, ihr eigener Pollen keimt auf der Blütennarbe nicht aus. Ihre Blüten bleiben unbefruchtet und die Ernte aus. Darum brauchst Du in der Nähe Deines Apfelbaums einen zweiten Apfelbaum als Pollenspender. Doch nicht alle Apfelsorten sind kompatibel zueinander. Haben Deine Nachbar*innen Äpfel? Frag sie, um welche Sorte es sich handelt, bevor Du Deine Entscheidung triffst. Dann wählst Du eine geeignete Befruchtersorte aus – und ihr profitiert alle davon. Meist steht auf dem Etikett oder in der Sortenbeschreibung, welche Sorten als Pollenspender in Frage kommen. Wachsen in Deinem Umfeld viele verschiedene Apfelsorten, ist die Befruchtung kein Problem.

Ist Dein Garten der einzige mit Apfelbaum? Oder willst Du eine ganze Streuobstwiese anlegen? Dann bleibt Dir nichts anderes übrig, als einen zweiten Baum zu pflanzen – für manche Sorten eignen sich auch Zieräpfel (z. B. 'Red Sentinel‘) als Pollenspender. Fehlt Dir der Platz dafür, könntest Du eine Bestäubersorte in Deinen Baum hineinveredeln (lassen) oder einen sogenannten Familienbaum mit mehreren Sorten kaufen. Schon ein blühender Ast genügt, um den ganzen Baum zu bestäuben. Triploide Apfelsorten, wie 'Gravensteiner‘ oder 'Schöner von Boskoop‘ haben einen dreifachen Chromosomensatz. Ihr Pollen ist nicht befruchtungsfähig. Darum benötigen sie zwei diploide Befruchtersorten, um Früchte bilden zu können.

Trägt Dein Apfelbaum trotz geeigneter Pollenspender keine Früchte, sind wahrscheinlich nicht genug Bienen, Hummeln und andere Insekten unterwegs. Stelle Nisthilfen auf und gestalte Deinen Garten noch bienenfreundlicher, um Bestäuber anzulocken.

 

gelbrote reife aepfel am baum

 

Viertens: Magst Du lieber süße oder saure Äpfel und was hast Du mit den Früchten vor?

Geschmacksfrage

Eine außerordentlich wichtige Frage! Was nützt Dir ein perfekt auf Deinen Standort abgestimmter Apfelbaum, dessen Früchte Dir nicht schmecken? Das Aroma ist eine individuelle Geschichte und jede*r hat andere Vorlieben. Manche Gartenbauvereine oder Obsthöfe veranstalten jetzt im Herbst Apfelverkostungen. Probier Dich durch das Angebot und finde heraus, welche Sorte Du lecker findest.

Die meisten für den Hausgarten empfohlenen Apfelsorten schmecken frisch genauso gut, wie im Kuchen oder als Mus. 'Goldparmäne‘, 'Gravensteiner‘ und 'Topaz‘ sind solche Allrounder. Manche Sorten eignen sich nicht für alle Verwendungszwecke. Die mürben Früchte von 'Boskoop‘, 'James Grieve‘ und 'Ontario' nimmst Du zum Kochen und Backen. Und verschiedene Vertreter aus der Gruppe der Renette-Sorten, der 'Königliche Kurzstiel' oder der 'Winter-Quittenapfel' liefern hervorragende Früchte für die Saft- und Weinherstellung.

Früh oder spät reif

Und zuletzt sind Reife- und Erntezeitpunkt entscheidende Kriterien bei der Sortenwahl. Je nach Reifeklasse unterscheiden wir Sommer-, Herbst- und Winteräpfel. Sommeräpfel, wie der 'Weiße Klarapfel' oder 'Delbarestival' reifen Ende Juli bis August heran. Diese Sorten schmecken frisch vom Baum am besten und werden im Lager schnell mehlig. Im September und Oktober erreichen die Herbstäpfel Pflückreife. Diese Sorten sind sofort oder nach kurzer Lagerung genussreif. Bekannte Herbstapfelsorten sind 'Holsteiner Cox', 'Gravensteiner' und 'Prinz Albrecht von Preußen'. Winteräpfel pflückst Du je nach Sorte im Oktober und November. Sie entfalten ihr volles Aroma erst nach einigen Wochen oder Monaten. Dafür zeichnen sich Winteräpfel durch eine lange Haltbarkeit aus. Die Sorten 'Pinova' und 'Solaris' bleiben unter günstigen Bedingungen bis in den Frühling hinein knackig. Zudem haben Herbst- und Winteräpfel einen kräftigeren Geschmack, als Sommeräpfel, weil sie größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt waren.

 

 

Fünftens: Hast Du Sonderwünsche?

Stellst Du besondere Ansprüche an Deinen zukünftigen Apfelbaum oder seine Früchte? Vielleicht möchtest Du eine Apfelsorte pflanzen, auf die Du nicht allergisch reagierst. Vor allem alte Sorten mit einem hohen Polyphenolgehalt scheinen für Apfelallergiker*innen besser geeignet zu sein. Das sind die Stoffe, die das Fruchtfleisch nach dem Anschneiden braun färben. Aus modernen Sorten wurden sie herausgezüchtet. Dabei sind Polyphenole sekundäre Pflanzenstoffe und gut für uns. Und gegen das Verbräunen helfen schon ein paar Tropfen Zitronensaft. Leider gibt es noch keine sicher antiallergene Apfelsorte. Ist Deine Allergie nur leicht ausgeprägt, findest Du durch Ausprobieren eine verträgliche Sorte. Falls Du jedoch hochgradig allergisch bist, lässt Du Dich besser zuvor ärztlich beraten.

Erinnerungen wecken

Oder Du erinnerst Dich an den Apfelbaum Deiner Großeltern und suchst nach einer Sorte, die genauso schmeckt? Du hast einen Apfelbaum mit leckersten Früchten am Straßenrand gefunden und willst ihn in Deinem Garten anbauen? Weil Ausgraben zu umständlich wäre, bieten manche Baumschulen Auftragsveredelungen an oder verkaufen Unterlagen für alle, die selbst das Veredelungsmesser schwingen wollen.

Unter den mehreren Tausend verschiedenen Apfelsorten existieren viele, die einst regionale Bedeutung hatten und allmählich verschwinden. Indem Du solche Sorten pflanzt, trägst Du zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei. Lokalsorten sind oft gut an die Gegend angepasst, aus der sie stammen, doch manchmal schwer zu beschaffen. Der Pomologen-Verein e. V. erteilt Auskunft über regionaltypische Apfelsorten und veranstaltet Tauschbörsen, bei denen Du Edelreiser bekommst.

Krankheiten vorbeugen

Resistenzen sind wichtige Eigenschaften, die Du bei der Sortenwahl unbedingt berücksichtigst. Alte Sorten sind nicht automatisch widerstandsfähiger. Manche sind sogar sehr anfällig für verschiedene Krankheiten. Die sogenannten Re-Sorten aus Dresden-Pillnitz besitzen verschieden ausgeprägte Resistenzen gegen Apfelschorf, Feuerbrand und Mehltau. Resistent, nicht immun. Ein geringer Befall ist trotzdem möglich. Wir empfehlen Dir, eine möglichst robuste Apfelsorte anzupflanzen. Dann sparst Du später Pflanzenschutzmittel. Und ein paar Blattläuse oder bemehltaute Blätter gehören nun mal dazu. Einzig beim Feuerbrand darfst Du keine Kompromisse eingehen. Der ist hoch ansteckend und sogar meldepflichtig.

 

Apfelbaum

 

Externe Links

Obstsorten-Datenbank des BUND Lemgo

Tabelle Befruchtersorten

Pomologen-Verein e. V.

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...