Gartentipp 34 - Gartenpflege in Rekord-Sommern

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Trockenheit, Hitze, Sommer, Bewässerung verschlagwortet am 2. August 2018 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Flimmernde Hitze, ausbleibender Regen, Wüstengefühl. Der Klimawandel ist da und bringt uns immer extremeres Wetter. Willst Du wissen, wie Dein Garten Hitze und Trockenheit übersteht? Wir haben Dir die besten Tipps in diesem Artikel zusammengetragen.

So pflegst Du Deinen Garten in heißen, trockenen Sommern

Gießen, aber richtig

In Trockenperioden kommt es im Garten auf jeden Tropfen Wasser an. Damit das lebensspendende Nass wirklich die Wurzeln Deiner Pflanzen erreicht, gießt Du sie entweder in den frühen Morgen- oder Abendstunden. Wässerst Du während der Mittagshitze, verdunstet ein Großteil des Wassers ungenutzt. Mal abgesehen davon, dass harte Gartenarbeit bei dreißig Grad echt keinen Spaß macht. Willst Du abends gießen, dann nicht zu spät, damit die Blätter trocknen. Bleiben sie über Nacht feucht, haben pathogene Pilze leichtes Spiel. Vor allem, wenn Hitze und Wassermangel den Pflanzen zu schaffen machen.

Gib alle paar Tage eine große Portion auf einmal, damit das Wasser bis zu den tieferen Erdschichten sickern kann. Gießt Du täglich ein bisschen, bildet die Pflanze oberflächliche Wurzeln und trocknet im Endeffekt viel schneller aus. Dabei willst Du sie dazu anregen, ein tiefgründiges Wurzelsystem zu entwickeln. Damit kann sie sich feuchtere Bodenschichten erschließen und Dürreperioden länger überdauern.

Gieße die Pflanzen auf ihren Bedarf abgestimmt. Krautige Gewächse mit großen Blättern, frisch gepflanzte Stauden, Bäume, Sträucher und Hecken haben mehr Durst, als etablierte Pflanzen. Je nach Beschaffenheit des Bodens gibst Du bis zu zwanzig Liter Wasser pro Quadratmeter. Für Bäume sind die Wassersäcke eine Option, die inzwischen ins Bild vieler Städte gehören. Die kannst Du auch in Deinem Garten verwenden und so nicht nur neu gepflanzten Bäumen die trockene Zeit etwas erleichtern.

Gieße mit Regenwasser. Sollten Deine Fässer bereits leer sein, füllst Du sie ausnahmsweise mit Leitungswasser auf. Oder Du leerst erst mal das Planschbecken. Abgestandenes, lauwarmes Wasser schmeckt Deinen Pflanzen besser als kaltes Wasser frisch aus der Leitung oder dem Brunnen.

Viele Kübelpflanzen sind bei heißem Wetter besonders durstig. Stelle sie in den Schatten und wässere sie so oft wie nötig. Kleine Töpfe tauchst Du in einen Eimer voll Wasser, damit die Erde sich vollsaugen kann.

 

trockenheit gießkanne

 

Verdunstung mindern

Damit das Wasser nach dem Gießen oder einem Regenguss länger im Boden bleibt, lockerst Du den Boden mit Hacke oder Schuffel oberflächlich auf. Dabei verschüttest Du Poren, über die Wasser verdunstet. Zupfe gleichzeitig unerwünschte Beikräuter aus, dann haben Deine Pflanzen weniger Konkurrenten.

Die viel erwähnte Mulchschicht mindert ebenfalls den Wasserverlust. Sie beschattet den Boden und unterdrückt Unkräuter. Starke Regenfälle, etwa bei einem Gewitter, dämpft sie ab. Auf gemulchtem Boden wachsende Pflanzen brauchen weniger Wasser. Das Prinzip funktioniert auch für Kübelpflanzen. Bedecke die nackte Bodenoberfläche mindestens fünf Zentimeter dick mit Schnittgut, Pinienrinde, Unkräutern (ohne Samen!), abgemähtem Rasen, Stroh, Ernteresten, Laub und was Du sonst noch finden kannst. Der klassische Rindenmulch ist ungeeignet: Er versauert den Boden. Lediglich auf Wegen und zwischen Moorbeetpflanzen leistet er gute Dienste.

 

Düngung aussetzen

Bei Hitze und Trockenheit düngst Du Deine Pflanzen gar nicht oder äußerst zurückhaltend. Denn: Wer weniger wächst, benötigt weniger Wasser. Fatal wäre jetzt ein stickstoffbetonter Dünger, der das Wachstum übermäßig ankurbelt und dadurch noch anfälliger für Trockenstress macht.

Das gilt besonders für Blumen in Kästen und Containern. Sollte die Erde nach einer Düngergabe im Gefäß austrocknen, steigt die Salzkonzentration darin übermäßig an. Und das führt dazu, dass Wasser aus den Wurzeln und damit der ganzen Pflanze herausgesaugt wird. Sie vertrocknen am gedeckten Tisch. Möchtest Du doch düngen, dann am besten mit einem Flüssigdünger. Achte konsequent darauf, dass in den kommenden Tagen die Erde feucht bleibt!

 

Schnittmaßnahmen auf kühlere Tage verschieben

Stutzt Du Deine Pflanzen, entfernst alte Blätter und vertrocknete Blüten, bewirkt das einen Wachstumsschub. Nicht umsonst empfehlen wir das Ausputzen als effektive Möglichkeit, mit der Du Deine Blumen zum erneuten Blühen motivierst. Ist es gerade ungewöhnlich heiß, solltest Du die Gartenschere höchstens herausholen, um kranke oder von Schädlingen befallene Pflanzenteile zu entfernen. Alle weiteren Rückschnitte sind momentan zu viel für Deine Pflanzen und stressen sie zusätzlich. Und: Wenn Du jetzt Deinem Buchsbaum einen Pflegeschnitt verpasst, kriegen plötzlich die Blätter volle Sonne ab, die vorher von den weggeschnittenen Zweigen beschattet wurden.

 

Hitzeschäden erkennen und vorbeugen

Hitze und Trockenheit stressen Deine Pflanzen und lösen verschiedene Probleme aus – direkt oder indirekt. Wir verraten Dir, welche es sind und wie Du sie beheben kannst.

 

Sonnenbrand

Nicht nur die Trockenheit allein, vor allem die hohen Temperaturen verursachen Schäden an Blumen und Gemüse. Es handelt sich weniger um einen Sonnenbrand, als vielmehr um Hitzeschäden. Das Gewebe wird regelrecht gekocht und irreversibel beschädigt.

Die Symptome tauchen ganz plötzlich auf, und zwar immer auf der Sonnenseite der betroffenen Pflanzen. An den Früchten von Tomaten, Auberginen und Paprika entstehen helle oder dunkle Stellen, die einsinken. Das Gewebe wirkt blasig und wie verbrannt. Zwischen den Adern von Gurkenblättern bilden sich weißliche, scharf begrenzte und trockene Flecken. Oft sind die Blätter direkt unterm Dach des Gewächshauses betroffen. Äpfel mit Sonnenbrand zeigen je nach Intensität der Strahlung großflächige, helle Flecke oder Verbräunungen, die bei manchen Sorten ein rötlicher Rand umgibt. Später werden die Stellen weich und faulen. Vor allem Säulenobst ist gefährdet. Zu viel Sonne lässt die Blume des Blumenkohls braun werden. Überhitzte Salatköpfe entwickeln Nekrosen, die mehrere Blattlagen tief reichen. Und bei Himbeeren erkennst Du den Sonnenbrand an einzelnen hellen Stellen, die im Laufe der Zeit dunkler werden. Auch blühende Zierpflanzen kriegen Hitzeschäden. Vor allem solche mit dunklen Blüten, wie Rosen oder Pelargonien.

 

trockene blätter gurkenpflanze gruenbedarf

 

Und das kannst Du tun:
  • Tomaten, Paprika und Gurken im Gewächshaus schützt Du mit Schattiernetzen, weißen Stoffbahnen (ausgediente Bettlaken) oder spezieller Schattierfarbe.
  • Geize Tomaten nicht zu stark aus, damit die verbleibenden Blätter die Früchte beschatten.
  • Pflanzen in Töpfen und Kübeln räumst Du an einen schattigeren Ort.
  • Pflücke alle beschädigten Früchte aus, weil sich sonst Pilze darauf ansiedeln.
  • Spanne Schattiernetze über Gemüsebeete und Obststräucher. Achte darauf, dass das Gewebe nicht auf den Pflanzen liegt und die Luft noch zirkulieren kann. Kurzzeitig (und auf kleinen Flächen) hilft ein Sonnenschirm.
  • Gefährdete Äpfel reibst Du mit einer »Sonnenmilch« aus Kaolin (Porzellanerde) und Wasser ein. Das weiße Mineral reflektiert die Sonnenstrahlen und senkt die Oberflächentemperatur der Früchte.
  • Wässere fruchttragende Obstbäume ausreichend und tiefgründig. Stelle frisch gepflücktes Obst in den Schatten, es kann sogar nach der Ernte noch überhitzen.
  • Ärgerst Du Dich gefühlt jeden Sommer mit verbrannten Äpfeln herum? Dann veredle Deinen Baum mit einer Sorte, deren Früchten direkte Sonneneinstrahlung nichts anhaben kann. Es muss nicht gleich eine Neupflanzung sein.

 

Bittere Gurken

Eigentlich enthalten moderne Gurkensorten keine bitteren Cucurbitacine mehr. Bei Trockenstress kann es vorkommen, dass sie dennoch welche bilden. Darum achtest Du beim Gurkenanbau darauf, Deine Pflanzen ausreichend zu wässern. Und zwar mit vorgewärmtem Wasser. Hänge ihre Ranken quetschfrei auf und bewege sie nicht mehr als unbedingt nötig. Pflanze Gurken aus zertifiziertem Saatgut oder Jungpflanzen, die Du im Fachhandel gekauft hast. Das gilt genauso für alle anderen Kürbisgewächse, also Speisekürbisse, Zucchini und Melonen. Schmeckt eine Frucht seifig oder bitter, dann spuck den Bissen sofort aus und entsorge sie. Eine Kompostierung ist gefahrlos möglich.

 

Blattfall, Blütenstopp, Schießen

Ist es Deinen Pflanzen zu heiß oder zu trocken, werfen sie ihre Blätter und Blüten ab. Manche, wie Tomaten oder Paprika bilden keine neuen Blüten mehr, bis es wieder kühler ist. Das ist natürlich ärgerlich, denn ohne Blüten gibts keine Früchte und die Ernte fällt aus. Du kannst versuchen, die betreffenden Pflanzen durch Schattieren und Wässern abzukühlen. Falls das nicht hilft, lernst Du draus und pflanzt im nächsten Jahr Sorten, die mit Hitze besser klarkommen.

Manche Gemüse reagieren genau umgekehrt und gehen direkt in die Blüte über. Leider sind das genau die, bei denen Du nicht die Früchte, sondern die Blätter essen willst: Spinat, Kohl und Salat. Weil sie dadurch ungenießbar werden, kompostierst Du sie oder nutzt sie als Mulchmaterial.

 

Blütenendfäule

Die Blütenendfäule sieht aus wie ein Pilz, ist aber eine physiologische Störung. Sie tritt auf, wenn Tomaten, Paprika und Chili nicht genug Calcium bekommen. Und das passiert meistens bei Hitze oder ungleichmäßiger Wasserversorgung. Am Blütenende der Frucht bildet sich dann ein runder, brauner, eingesunkener Fleck. Manche Sorten sind anfällig, andere nicht. Oft enthält der Boden zwar ausreichend Calcium, doch das erreicht die Frucht nicht. Das kann an einem Stickstoffüberschuss im Substrat liegen, an Wassermangel, zu hoher Luftfeuchtigkeit oder einem sauren Boden. Wässere Deine Pflanzen gleichmäßig, lüfte sie gut (wenn sie im Gewächshaus wachsen) und ermittele den pH-Wert. Ist er zu niedrig, arbeitest Du etwas Kalk ein. Mit einem Blattdünger stillst Du den sofortigen Calciumbedarf und verhinderst weitere Schäden. Übrigens kannst Du die betroffenen Früchte trotzdem essen. Schneide einfach die faulige Stelle weg.

 

blütenendfäule an roter tomate

 

Und wie bleibt der Rasen grün?

Ein saftig grüner Rasen ist der Stolz vieler Gärten. In heißen, trockenen Sommern verwandeln sich viele Grünflächen in dürre Wüsten. Das muss nicht sein. Schon mit einfachen Maßnahmen kannst Du Deinen Rasen am Leben erhalten. Der Trick ist, dass Du gar nicht viel zu tun brauchst:

 

Nicht mähen!

Wenn es heiß und trocken ist, pausiert der Rasenmäher. Lass Deinen Rasen ruhig länger wachsen, bis zu zehn Zentimeter sind völlig okay. Die Halme spenden sich selbst Schatten und verlieren weniger Wasser. Zu kurzer Rasen dagegen verbrennt und kriegt kahle Stellen. Wird ein Schnitt nötig, mähst Du erst am späten Nachmittag. Dann trocknen die Schnittstellen nicht so schnell aus und die Pflanzen bleiben kräftig. Kürze die Gräser nicht zu stark ein und lass das Schnittgut als Mulch auf der Wiese liegen. Ein Mulch-Rasenmäher zerhäckselt die abgetrennten Halme, die Stückchen fallen direkt auf die Bodenoberfläche und wirken dort genauso, wie eine Mulchschicht im Beet.

 

Nicht gießen!

Oder besser: nicht zu häufig. Ein gut angewachsener Rasen kommt mit einer Wassergabe alle sieben bis zehn Tage aus. So empfiehlt es die Royal Horticultural Society England. Und die Engländer kennen sich ja bekanntlich mit Rasenpflege aus. Lediglich frisch angelegte Flächen und Rasen auf eher sandigen Böden benötigen kürzere Gießintervalle.

Wässere Deinen Rasen, wenn die Erde darunter trocken ist, kurz bevor die Halme sich verfärben. Und zwar frühmorgens oder am Abend. Ist der Boden bereits hart, pikst Du vorher mit dem Aerifizierer oder einer Grabegabel Löcher hinein. Dann stellst Du den Rasensprenger an und wässerst so lange, bis der Boden zehn Zentimeter tief durchfeuchtet ist.

Stelle Trinkgläser oder Regenmesser auf dem Rasen auf, bevor Du wässerst. Sobald darin das Wasser rund zweieinhalb Zentimeter hoch steht, stellst Du den Regner ab. Willst Du überprüfen, ob der Boden ausreichend nass ist? Dann zieh mit einem Messer oder einer kleinen Handschaufel eine Bodenprobe. Sind die unteren acht Zentimeter feucht und die oberen zwei trocken? Super, genauso soll es sein.

 

Einfach mal Pause machen!

Wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke knackt, macht Gartenarbeit keinen Spaß mehr. Pass in der Hitze auf Dich auf, bleib im Schatten und trinke genug – sobald es wieder kühler wird, kannst Du immer noch in den Beeten werkeln.

Weiterführende Links:

Empfehlungen der Royal Horticultural Society zur Rasenpflege in trockenen Zeiten (englisch)

Hitzestress – was passiert eigentlich in der Pflanze?

 Zierpflanzen für heiße und trockene Standorte

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...