Gartentipp 25 - Kulturführung im Zimmergewächshaus

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Anzucht, Gemüse, Tipps verschlagwortet am 2. März 2018 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

Eine Anleitung am Beispiel der Tomate

Die Anzuchtsaison hat begonnen. Hast Du schon die ersten Samentütchen geöffnet und das Zimmergewächshaus abgestaubt? Möchtest Du in diesem Jahr endlich gesunde und stämmige Jungpflanzen heranziehen und keine langen Lulatsche, die beim kleinsten Windstoß umfallen? Wir haben Dir eine Anleitung zusammengestellt, mit der Du am Beispiel der Tomate lernst, das Potenzial Deines Zimmergewächshauses richtig zu managen. Werde mit uns zur erfolgreichen Fensterbankgärtnerin! Oder natürlich zum Gärtner, klar...

Die Tomate: Ein Kurzporträt

Die Tomatenpflanze (Solanum lycopersicum) gehört zu den Nachtschattengewächsen und stammt aus Süd- und Mittelamerika. Vermutlich an Bord der Flotte von Christoph Kolumbus reiste sie Anfang des 16. Jahrhunderts nach Europa. Zunächst wurde sie zögerlich als Zierpflanze kultiviert. Erst im 19. Jahrhundert landeten ihre Früchte in deutschen Kochtöpfen.

Wenn Du einen Blick über den Rand des Tellers der Nullachtfünfzehn-Supermarkttomate wirfst, fällt Dir die bunte Vielfalt der Tomatenwelt auf. Da gibt es solche mit runden und eiförmigen Früchten, gelbe, grüne und blaue, große und kleine, süße und saure, mehlige und feste. Manche Tomatenpflanzen wachsen eher buschig, andere geradeaus nach oben. Zum Glück ähneln die Vorlieben der verschiedenen Tomatensorten einander und unsere Anleitung ist so allgemein gehalten, dass sie alle darin unterkommen. Im Zweifelsfall ziehst Du den auf dem Saatguttütchen oder in der Sortenbeschreibung vermerkten Rat dem unseren vor.

 

Tomatenanzucht im Zimmergewächshaus – vom Samen zur gesunden Jungpflanze

Vorbereitung

Wuchsen in Deinem Zimmergewächshaus bereits letztes Jahr Pflanzen heran? Dann putze es gründlich, bevor Du es erneut benutzt. Wasche Wanne und Haube mit warmem Seifenwasser und spüle mit klarem Wasser nach. Traten letztes Mal Pilzkrankheiten auf? Dann desinfiziere das gesamte Zimmergewächshaus, um übrig gebliebene Sporen zu vernichten. Falls Du keine Chemikalien verwendest, kannst Du die Anzuchtbox einen Tag lang in die Sonne stellen. Allerdings machen die UV-Strahlen nicht nur Schädlinge kaputt, sondern langfristig auch Kunststoff brüchig.

 

Die Aussaat

Timing: Idealerweise sollten Deine Jungpflanzen Mitte Mai bereit für ihren Umzug ins Gemüsebeet sein. Bis sie groß genug sind, vergehen sechs bis zehn Wochen. Es reicht völlig, wenn Du Anfang März mit der Tomatenanzucht beginnst.

  • Fülle das Anzuchtgefäß Deiner Wahl mit steriler Anzuchterde. Wenn Du magst, kannst Du Perlite untermischen und sie dadurch luftiger machen.
  • Feuchte die Erde gründlich, aber mit Bedacht an. Sie darf nicht zu nass sein.
  • Aussaat: Streusele die Tomatensamen prisenweise und möglichst gleichmäßig in die Saatschale. Säst Du in Anzuchttöpfe, reichen je nach Topfgröße ein bis drei Samen mit genügend Abstand zueinander aus.
  • Bedecke die Samen mit einer dünnen Schicht gesiebter Erde (ca. 0,5 bis 1 Zentimeter)
  • Drücke die Erdoberfläche mit der flachen Hand oder einem Stück Pappe an, damit die Samen Bodenschluss bekommen
  • Befeuchte die noch trockene Deckschicht mit einer Sprühflasche
  • Hast Du mehr als eine Tomatensorte ausgesät? Dann vergiss die Beschriftung nicht!
  • Stelle die Töpfchen ins Zimmergewächshaus und schließe den Deckel. Die Lüftungsschlitze bleiben geschlossen.
  • Das Zimmergewächshaus platzierst Du entweder auf einer Heizmatte oder an einem anderen Ort, an dem es von unten erwärmt wird. Licht ist bis zur Keimung noch nicht so wichtig. Du kannst das Gewächshaus sogar auf die Abwärmeschlitze des Kühlschranks oder aufs Fensterbrett über der warmen Heizung stellen.

 

Warten auf die Keimung

Nach der Saat musst Du Dich etwa zehn bis vierzehn Tage gedulden, bevor die ersten Keimlinge erscheinen. Bis dahin kannst Du leider nichts machen, außer …

… die Aussaat täglich kontrollieren. Ist die Erde zu nass oder bildet sich Schimmel, entfernst Du die betroffenen Töpfe sofort und lässt das Substrat bei geöffnetem Deckel trocknen.

… darauf achten, dass das Zimmergewächshaus nicht permanent in der Sonne steht und überhitzt. Überwache mit einem Thermometer die Temperatur in seinem Inneren. Die ideale Keimtemperatur liegt zwischen 23 und 25 °C. Sorge gegebenenfalls für Schatten.

Sobald die ersten Samen keimen, brauchen sie Licht. Stand die Anzuchtbox bisher an einem dunklen Ort, ist jetzt der richtige Moment zum Umzug ins Helle gekommen.

 

Tomaten Sämlinge Grünbedarf Gartentipp

 

Die Jungpflanzen sind da!

Sämlinge stellen andere Ansprüche an ihre Umgebung als Samen. Darum ist jetzt ein Kurswechsel dran. Den behältst Du bei, bis Deine Tomätchen in etwa drei bis fünf Wochen zwei Paar Laubblätter haben und damit pikierfähig sind.

 

Temperatur

Sobald die meisten Samen aufgelaufen sind, senkst Du die Temperatur ab und stellst nachts die Heizmatte aus. Oder lass Dein Thermostat das für Dich machen. Zu hohe Temperaturen lassen die jungen Pflänzchen vergeilen und das wollen wir vermeiden. Das Optimum liegt nun bei 18 bis 20 °C am Tag (ab 25 °C lüften!) und 16 °C in der Nacht. Die kühleren Temperaturen bremsen allzu voreiliges Wachstum aus und machen Deine Tomatenpflänzchen schön kompakt. Zu kalt darf es nicht werden. Bei Temperaturen unter 15 °C verfärben sich die Blätter rötlich und das Wachstum stoppt. Ist das Fensterbrett aus Stein und sehr kalt, platzierst Du Dein Minigewächshaus auf einem Stück Styropor oder nutzt eine Heizmatte.

 

Standort

Spätestens nach der Keimung stellst Du das Zimmergewächshaus an einen hellen, nicht zu warmen Ort. Optimal ist das Süd- oder Südwestfenster eines schwach geheizten Raumes oder ein kühler Wintergarten.

 

Licht

Tomaten lieben Licht. Je mehr, desto besser. Deine Jungpflanzen benötigen mindestens zehn Stunden Tageslicht. Die sind im März bereits gegeben, solange kein trübes Wetter herrscht. Lichtmangel erkennst Du bei jungen Tomaten an dünnen, schwachen und auffallend hellen Trieben. Bei früherer Aussaat Mitte Februar oder dem Auftreten der beschriebenen Symptome verlängerst Du den Tag morgens und abends mit Zusatzlicht. Dafür brauchst Du spezielle Leuchten, deren Licht die von Pflanzen benötigte Wellenlänge hat. Eine Zeitschaltuhr nimmt Dir das Ein- und Ausschalten ab.

Falls Du oft lichthungrige Pflanzen aufziehst, lohnt es sich, ein mit Lampen ausgestattetes Zimmergewächshaus anzuschaffen.

 

Luftfeuchtigkeit

Jungpflanzen brauchen keine so hohe Luftfeuchtigkeit mehr. Lüfte das Zimmergewächshaus einmal täglich. Anfangs nimmst du den Deckel für eine Viertelstunde ab, dann für eine halbe und dann für eine ganze. Außerdem kannst Du die Lüftungsöffnungen im Deckel jetzt offen lassen. Dehne die haubenlose Zeit immer mehr aus, bis Du die Jungpflanzen gar nicht mehr abdecken musst, weil sie sich an das neue Klima gewöhnt haben.

 

Gießen

Halte das Substrat durch regelmäßiges Gießen feucht. Je älter die Pflanzen sind, desto besser vertragen sie kurze Trockenphasen. Aber achte darauf, ihre Blätter beim Gießen nicht zu benetzen, denn Tomaten sind sehr anfällig für Pilzkrankheiten. Schraube den Aufsatz einer Spülmittelflasche auf eine gewöhnliche Plastikflasche, damit kannst Du das Gießwasser besonders gut dosieren. Wenige Stunden vor dem Pikieren solltest Du die Jungpflanzen noch einmal gut wässern.

 

Düngung

Wenige Tage vor dem Vereinzeln darfst Du Deine Pflänzchen das allererste Mal düngen. Gut gewässerte und genährte Pflanzen verkraften den Schock des Pikierens nämlich besser. Verwende einen schwach dosierten organischen Flüssigdünger mit Vinasse.

 

Streicheln

Kein Witz – tägliches Streicheln kräftigt die Stängel Deiner Jungpflanzen. Die regelmäßige Bewegung simuliert Wind, verlangsamt das Wachstum und verursacht Mikrorisse in den Zellen. Die Pflanze repariert diese winzigen Schäden mit Lignin, einem Stoff, der die Zellwand verholzen lässt und dadurch stabilisiert. In Gartenbaubetrieben, die sich auf Jungpflanzenanzucht spezialisiert haben, werden Streichelmaschinen eingesetzt, um kompakte und standfeste Pflanzen zu erhalten.

 

Tomatenpflanze-gartentipp-gruenbedarf

 

Fast flügge: vom Pikieren bis zum Auspflanzen

Diesen Lebensabschnitt verbringen Deine Tomaten nicht mehr im Zimmergewächshaus. Falls Du keine anderen Pflanzen aussäen oder Stecklinge bewurzeln willst, hat das jetzt Feierabend.

Du pflanzt sie in 10er-Töpfe, die mit gewöhnlicher Blumenerde gefüllt sind – und die passen in die Anzuchtkiste beim besten Willen nicht hinein. Der beste Standort ist ein unbeheiztes Kleingewächshaus, ein Folientunnel oder ein erhöhtes Frühbeet. Ein Vlies dient als zusätzlicher Kälteschutz, falls es nachts mal frischer wird. Bei angekündigten Nachtfrösten holst Du die Pflanzen ins Haus, damit sie nicht erfrieren. Gieße die Pflänzchen zwei bis drei Mal pro Woche.

 

Sobald sie eine Größe von 15 Zentimetern erreicht haben und nachts das Thermometer nicht mehr unter 15 °C fällt, pflanzt Du die kleinen Tomatenpflanzen ins Beet oder in einen Kübel mit mindestens 7,5 Liter Volumen für den Balkon. Und schon bald werden sie Dir Deine Mühe in Form leckerer Früchte lohnen!

 

tomaten pflanze gartentipp gruenbedarf

Hinterlasse einen Kommentar

  Lade...
Lade...