Gartentipp 11 - Die 7 häufigsten Fehler bei der Jungpflanzenanzucht

Dieser Beitrag wurde unter Gartentipps abgelegt und mit Samen, Tipps, Frühling, Garten verschlagwortet am 23. März 2017 von Gruenbedarf. ← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →

...und wie Du sie vermeiden kannst

Das neue Gartenjahr steht in den Startlöchern. Zeit, die ersten Samenkörner in die Erde zu bringen, wenn auch noch nicht im Garten, doch zumindest auf der Fensterbank. Samen zum Keimen zu bringen ist leicht und macht viel Spaß. Die große Kunst besteht darin, aus zarten Keimlingen kräftige und widerstandsfähige Jungpflanzen zu ziehen – gerade in den ersten Wochen kann einiges schiefgehen!

Damit Dir die Anzucht von Tomaten und anderen Pflänzchen gelingt, haben wir hier die häufigsten  Fehler zusammengetragen. Pass auf, dass sie Dir nicht passieren!

Anzuchtfehler #1: Nicht gelesen, was auf der Packung steht

Bevor Du die Saatgutverpackung vorfreudig aufreißt, dreh sie um und lies die Kulturanleitung durch. Sind die darin enthaltenen Samen Licht- oder Dunkelkeimer? Müssen sie vor der Saat eingeweicht werden und eignen sie sich überhaupt zur Anzucht auf der Fensterbank? Welche Temperatur benötigen sie zum Keimen? Wie lange musst Du Dich gedulden, bis die ersten Blattspitzen aus der Erde ragen? Wann dürfen die Pflänzchen ins Freie umziehen und wie viel Platz benötigen sie? Alle diese Fragen beantwortet Dir ein Blick auf das Saatguttütchen. Beherzige die Ratschläge und hebe leere Verpackungen auf (oder fotografiere sie), damit Du später noch einmal nachschauen kannst.

 

Anzuchtfehler #2: Blumenerde anstelle von Anzuchtsubstrat verwendet

Für Deine erfolgreiche Jungpflanzenanzucht ist das richtige Substrat unglaublich wichtig. Normale Blumenerde ist zur Aussaat nicht geeignet, sie ist einfach zu grob für zarte Keimlinge. Außerdem enthält sie Nährstoffe. Diese sind als Startdünger für ausgewachsene Pflanzen gedacht, bringen jedoch bei der Anzucht mehr Schaden als Nutzen. Jungpflanzen brauchen in ihren ersten Lebenswochen noch keinen Dünger, sie erhalten genug Energie aus dem Samenkorn. Ideales Anzuchtsubstrat besitzt eine feine, krümelige Struktur und keine zugesetzten Nährstoffe oder Dünger. Eine praktische und saubere Alternative sind Torfquelltabs die Du später mit ins Beet pflanzt.

 

Anzuchtfehler #3: Zu wenig Licht

Frisch gekeimte Pflänzchen benötigen Licht, Licht und nochmals Licht. Du hast bestimmt schon beobachtet, wie Jungpflanzen auf der Fensterbank rasch in die Höhe schießen und sich ihrer einzigen Lichtquelle – dem Fenster – zuneigen. Um dieses sogenannte Vergeilen zu vermeiden und kompakte Jungpflanzen heranzuziehen, hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder, Du investierst in ein beleuchtetes Zimmergewächshaus, in dem es Deinen Keimlingen an nichts mangelt. Oder Du stellst hinter den Saatgefäßen einen Spiegel oder eine mit Alufolie beschichtete Pappe auf, um die einfallende Lichtmenge zu erhöhen. Aber Vorsicht, zu viel Licht ist auch nicht gut! Lass Dein Zimmergewächshaus nicht in der prallen Sonne stehen, damit es sich nicht übermäßig aufheizt und nimm regelmäßig den Deckel ab, um die Temperatur zu regulieren.

 

Anzuchtfehler #4: Zu viel Wasser

Die richtige Menge an Feuchtigkeit ist ein besonders heikler Punkt bei der Anzucht empfindlicher Sämlinge – zu viel oder zu wenig davon verzeihen sie Dir nicht. Mit etwas Fingerspitzengefühl und Übung meisterst Du auch diese Herausforderung. Halte das Substrat mit einer Sprühflasche feucht. Es darf jedoch nicht zu nass sein, sonst droht Schimmel. Direkt nach der Aussaat deckst Du die Saatschale mit etwas Frischhaltefolie ab oder stellst sie ins Zimmergewächshaus. Dadurch erschaffst Du eine Atmosphäre mit beinah geschlossenem Wasserkreislauf und konstanter Temperatur. Kontrolliere die Pflanzgefäße täglich – nicht nur, damit Du die ersten Keimlinge nicht verpasst, sondern um nachzusehen, ob die Erde noch feucht genug ist. Sobald die Samen keimen, lüftest Du die Schale oder das Zimmergewächshaus täglich. Wenn alle Sämlinge draußen sind, lässt Du die Plastikabdeckung weg, damit sich keine Pilze ausbreiten.

Verwende ausschließlich Anzuchtgefäße, die ein Loch im Boden haben. Das verhindert Staunässe. Gieße Deine Pflänzchen von unten, indem Du die Töpfe zum Beispiel in eine Wanne mit lauwarmem Wasser tauchst. Sie saugen selbst die benötigte Wassermenge auf und bekommen keine nassen Blätter mehr.

 

Sämlinge Grünbedarf

 

Anzuchtfehler #5: Zu viele Pflanzen in einem Topf

Wenn Du nicht gerade Einzelkornsaat praktiziert hast, kommt irgendwann der Tag, an dem Deine Pflänzchen sich in ihrer Saatschale drängeln. Jetzt ziehst Du entweder die schwächsten Pflänzchen heraus, um den anderen mehr Platz zu verschaffen (aber wer will das schon?) oder Du pikierst alle in ein größeres Gefäß. Sobald Deine Sämlinge das zweite bis dritte Laubblattpaar haben, vereinzelst Du sie. Dazu hebst Du sie mit einem Pikierstab oder einem ausgedienten Bleistift mitsamt dem empfindlichen Wurzelballen aus ihrem bisherigen Zuhause und pflanzt sie in einen neuen Topf oder eine Multitopfplatte. Verwende weiterhin feines und nährstoffarmes Anzuchtsubstrat oder Kräutererde - Dünger kommt später.

 

Anzuchtfehler #6: Mangelhafte Planung

Selbst wenn es Dir angesichts der schier unendlichen Auswahl der farbenfrohen Saatgutkataloge schwerfällt: Säe nur die Pflanzen aus, die tatsächlich in Deinen Garten oder auf Deinen Balkon passen. Überschätze Deine Kapazitäten nicht und plane vorher, wie viel Platz die einzelnen Pflanzen brauchen. Achte auf den richtigen Saattermin: Wenn Du Deine Tomaten im Mai ins Beet pflanzen willst, ergibt es keinen Sinn, sie im Januar auszusäen. Die meisten Jungpflanzen sind bei guter Pflege ungefähr nach sechs bis acht Wochen zum Auspflanzen bereit. Besonders als Neuling ziehst Du anfangs lieber weniger Jungpflanzen im Haus heran und schenkst Ihnen dafür Deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Hast Du später überraschend noch Platz im Beet, spricht nichts dagegen, weitere Samen direkt in die Erde zu säen.

 

Anzuchtfehler #7: Aufgeben

Erscheint Dir die Anzucht von Jungpflanzen jetzt kompliziert? Lass Dich bitte nicht entmutigen! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und jedes Missgeschick macht Dich schlauer. Der größte Fehler wäre es, aufzugeben oder gar nicht erst anzufangen. Spätestens, wenn Du die erste reife Tomate von der Pflanze pflückst, die Du vom Samenkorn an liebevoll begleitet und aufgezogen hast, und ihr sonnenwarmes, volles Aroma genießt, ist alle Mühe vergessen. Versprochen!

 

tomatenpflanze anzucht

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